Business Culture Indien

Interkulturelle Kompetenz ist der Schlüssel zu internationaler Unternehmensfitness


Voll angesagt: Auswärts Essen

Der Klassiker von einst!

Indien war immer etwas speziell, wenn es darum geht, Essen zu sich zu nehmen, das andere Leute gekocht haben. Wer weiß, was die so rein tun? Ob die wirklich sauber sind? Ob das Essen rein ist. Das heißt: den vielen religiösen Vorschriften gemäß zubereitet. Außerdem war es wichtig, dass Angehörige höherer Kasten, vor allem Brahmanen, nichts von dem zu sich nehmen, was Dalits (= Kastenlose, Unberührbare, Mahatma Gandhi nannte sie „Harijans“ – Kinder Gottes) kochten. Sie wären sonst unrein geworden. Skepsis und Misstrauen dominierten also. Überhaupt hieß es ganz praktisch: Zuhause schmeckt es am besten. Da weiß man, was man hat.

Eating out – the new definition of fun

Diese Zeiten scheinen nun endgültig vorbei. Auswärts zu Essen ist absolut im Trend. Vor allem in den Städten. Wer einen guten Job hat, kann es sich nicht nur leisten, in einem Restaurant Essen zu gehen, sondern genießt auch, dass andere die Arbeit für ihn erledigen. So bleibt Zeit, sich ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren: Das Treffen mit Freunden, das gute Gespräch. Sich zum Essen zu verabreden, ist heute also angesagt.

Außerdem, so die „Foodies“, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Man kann bestellen, wonach einem der Sinn ist. Vegetarisch oder doch etwas mit Fleisch. Die Vielfalt kennt keine Grenzen, zumal in den Städten Indiens inzwischen ganz unterschiedliche kulinarische Köstlichkeiten angeboten werden: Chinesisch ebenso wie mediterrane Küche, Burger und Sandwiches ebenso wie Pizza, Fastfoodketten wie Gourmet-Restaurants.

Eat healthy

Wenn auch die indische Mittelschicht vielfach gerade dabei ist, Rettungsringe und Hüftspeck anzusetzen, bricht sich ein neuer Trend die Bahn: Gesundes Essen. Die Zeitungen informieren nicht nur über gesundes Essen, sondern sind voll mit Rezepten über grüne Smoothies zum Beispiel und unterschiedlichste raffinierte Arten, Gemüse zuzubereiten. Avocados sind der Renner. „Low carb, low fat“ heißt die Devise.

Die Mutter meiner indischen Freundin, eine fortschrittliche Powerfrau der indischen Oberschicht, die sich von nichts und niemandem klein kriegen ließ, konnte sich mit Salat so gar nicht anfreunden. „Das ist Futter für die Ziegen und Schafe! So was kann man doch nicht essen!“ Ihr Tochter baut heute ganz selbstverständlich Ruccula, Endiviensalat und Kopfsalat im eigenen Gemüsegarten an. Bio selbstverständlich!

Die Einstellung zum Essen hat sich geändert. Uns ist das, was in Indien gerade populär wird, vertraut. Auch wir laden unsere Familie und Freunde zum Essen in ein Restaurant ein. Zwei große Unterschiede fallen gleichwohl auf: Einmal beim Zahlen und das andere Mal, wo man Platz nimmt. Verwundert? Dann lesen Sie einfach weiter.

Getrennt oder zusammen

Zum ersten: NIE käme man in Indien auf die Idee, das Servicepersonal um getrennte Rechnungen zu bitten oder am Tisch dann umständlich ausrechnen zu lassen, wer denn nun wieviel zu zahlen hat. Getrennt  oder zusammen, ist keine Frage in Indien. Es zahlt immer einer. Nämlich der, der einlädt.

Draußen – nein danke

Zum zweiten: In Indien mag man nicht draußen Essen. Ein schattiger Platz auf einer Terrasse oder im Biergarten unterm Kastanienbaum ist aus indischer Sicht komplett verrückt. Wieso in der Hitze sitzen, sich von Moskitos umschwirren lassen, wenn es doch innen mit der AC so gemütlich ist?

Besonders deutlich wurde mir das, als ich Anjali, eine Studentin aus Delhi zu Besuch hatte. Ihr erstes Mal außerhalb Indiens. Wir besuchten mehrere Städte in Deutschland und gingen ganz selbstverständlich auch zum Essen. Es war Juni und das Wetter war fantastisch. Für deutsche Verhältnisse. Die Straßencafés waren voll, jeder Platz im Biergarten besetzt. Wer draußen sitzen konnte, war glücklich.

Außer Anjali. Wenn ich ihr die Platzwahl überließ, landeten wir drinnen. Finster und stickig. Sie happy, ich nicht. Setzte ich mich durch und ergatterte einen Platz im Freien, hieß es: „These crazy Germans!“ Sie postete die Fotos von „im Freien sitzen und essen“ sofort in Facebook und sorgte bei ihren Freundinnen für komplette Verwirrung. Wie kann man nur? Völlig bescheuert.

Ob sich der Indian Mindset da noch ändern wird?

 

 


Wer sind die besten Chefs in Indien?

Die Oskars für die erfolgreichsten CEOs in Indien sind vergeben.

Business today, eines der renommierten Wirtschaftsmagazine Indiens startet mit einer Sonderausgabe ins Jahr 2017 und kürt die erfolgreichsten Vorstandsvorsitzenden von Corporate India. Die Auszeichnungen werden in 19 Branchen verliehen. Zusätzlich gibt es – abhängig von der Firmengröße – vier weitere Auszeichnungen für „Besten der Besten“. Darunter eine Frau, Nishi Vasudeva von HPCL (Hindustan Petroleum Corporation Limited), die den staatlichen Öl- und Gas-Konzern trotz schwierigster Verhältnisse am Markt auf Erfolgskurs steuerte.

Leadership Excellence: Was zeichnet die Gewinner aus?

Dieses von PwC India durchgeführte Ranking, für das aus den indischen „Top 500-Firmen“ nach einem strengen Kriterienkatalog 246 Firmen ausgewählt wurden, gibt einen guten Einblick in die Herausforderungen, mit denen die Chefetagen befasst sind. Wer heute erfolgreich ist, so dürfen wir schlussfolgern, kommt mit der VUCA-Welt (volatil, unsicher, komplex, mehrdeutig) zurecht und kann unter Druck und mit immer mehr Risiko in immer kürzerer Taktung die richtigen Entscheidungen treffen und sein Unternehmen halbwegs sicher in Richtung erfolgreiche Zukunft lenken.

Die Erfolgsrezepte der besten CEOs Indien

„When the going gets tough, the tough get going“, heißt es da zum Beispiel. Hingabe, Disziplin, Beharrlichkeit und die gelassene Ausdauer, das definierte Ziel niemals aus den Augen zu lassen, sind die Qualitätsmerkmale, die den ausgezeichneten Chefs von Führungskräften und Mitarbeitenden attestiert wird. Sie halten Wort, auf sie kann man sich verlassen. Sie gehen mit gutem Beispiel voran und vertrauen ihren Mitarbeitenden. Sie verlangen viel und geben selbst ihr bestes.

Neben solchen Charaktereigenschaften überzeugen sie durch das Aufspüren von Trends und neuen (internationalen) Märkten, die klare Fokussierung auf bestimmte Geschäftsfelder und deren profitable Weiterentwicklung, ein verlässliches Netzwerk mit Ideengebern und Experten aus ganz verschiedenen Bereichen sowie den Mut zu Innovation, geschickten strategischen Allianzen und Zukäufen.

Erstens: Auf Einkaufstour

Der in der Kategorie mittelgroße Unternehmen ausgezeichnete Chairman & MD Venu Srinivasan brachte TVS Motor Company, ursprünglich ein Mopedhersteller, durch ein erweitertes Portfolio (Roller, Motorräder und Fahrräder) wieder auf Kurs und ging 2013 eine gewinnbringende Allianz mit BWM Motorrad ein. Samir Mehta, CEO Torrent Pharmaceuticals, geht heute in den USA und Brasilien besonders gerne auf Einkaufstour, nachdem er bereits 2005  Heumann Pharma aus Nürnberg aufkaufte und zur Tochtergesellschaft von Torrent machte. Zee Entertainment unter dem von Business Today ebenfalls ausgezeichneten CEO Punit Goenka ist seit Herbst 2016 auch in Deutschland auf Sendung, nachdem sich der indische Mediengigant neben anderen Ländern schon in Russland, Südafrika und im spanischsprechenden US-Markt etablieren konnte.

Zweitens: Das Ohr am Kunden

„We have to surprise our customers with new offerings – innovation in design, in performance, price, shape and size of our vehicles“, sagt Kenichi Ayukawa, MD & CEO von Maruti Suzuki. Anders als die anderen zu sein, die Nische zu finden und sich darin zu positionieren, ist das Credo von Romesh Sobti, CEO & MD der IndusInd Bank. „We come out with something new for customers almost every six month.” So wundert es nicht, dass sich besonders lange Schlangen vor den Geldautomaten seiner Bank bildeten, als über Nacht die 500- und 1000 Rs Scheine für ungültig erklärt worden. Warum: Nur die ATMs der IndusInd Bank geben den Kunden die Möglichkeit, die Stückelung der Scheine zu wählen. Mit „Choice Money“ (eingeführt 2009) war es leicht für die Kunden, nur Scheine im Wert von 100 Rs am Automaten zu ziehen.

Den entscheidenden Schritt voraus

Trends auszumachen ist auch „the magic mantra“ für H.M. Bharuka, MD von Kansai Nerolac, einer auf Farben und Lacke spezialisierten Firma. Während ursprünglich nur Farben für die industrielle Weiterverarbeitung etwa das Anbringen auf Autos oder elektronischen Gütern (v.a. weiße Ware) gefertigt wurden, kommt heute mehr als die Hälfte des Umsatzes von Wandfarben. „We have been growing in double digits for the past 25 years. This will continue for the next 20 years. The challenge will be to introduce new products. We should be driven by technology for capturing opportunities available. We are, for instance, doing constant research to reduce energy consumption.”

Ganz klassisch geht Ramesh Kumar Dua vor, der Managing Director von Relaxo Footwears. Er und sein Bruder besuchen meist unangekündigt zwei bis dreimal in der Woche einen Schuhladen und hören sich um. Bei den Kunden und Verkäufern. So bekommen sie die besten Ideen. Außerdem werden alle Ladenbesitzer regelmäßig befragt, welche Trends sich in den Verkaufsgesprächen abzeichnen. „Wir testen viel in unseren Laboren, aber das wichtigste ist das Gespräch mit den Kunden! Sie geben uns viele Hausaufgaben mit.“

Das Ohr am Kunden hat auch C.P. Gurani, CEO &MD von Tech Mahindra. Freunde und Geschäftspartner sagen über ihn, er sei ein „people’s man“. Einer, der genau zuhört – nicht nur den Kunden, sondern auch den Mitarbeitenden – und der ein Gedächtnis wie ein Elefant hat. So ist er am Puls der Zeit und seiner Konkurrenz oft einen Schritt voraus.

Entscheidend für das weitere Wachsen ihrer Firmen ist das Erschließen neuer Märkte. Gewiss: Indiens Mittelschicht wächst. Kaufkraft ist im Land zunehmend vorhanden. Viele aber sehen sich zunehmend sehr selbstbewusst weltweit um. Gerade auch in den USA und in Europa.


Swastika – Sonnensymbol, tanzender Shiva oder Hakenkreuz?

Wer das weiß, ist im Vorteil

Entsetzen ruft das Hakenkreuz hervor, das in Indien als dekoratives Element auf Saris ebenso verwendet wird, wie zur Gestaltung von Fenstern oder Befestigungsmauern und Gartenzäunen.

Dieses Symbol hat nichts mit nationalsozialistischer Ideologie zu tun, sondern ist seit vielen tausend Jahren in Indien ein Glückszeichen.

In Indien ein Glückszeichen

Einer Deutung nach ist swastika die schematische Darstellung des Gottes Shiva, der im Tanz die Welt erschafft und Freude hervorbringt. Einer anderen Interpretation nach ist es das Rad der Sonne, die Licht und Wärme bringt und als Glückszeichen angesehen wird.

Viele Inder, die bereits mit deutschen Geschäftspartnern Erfahrung haben, wissen um die Interpretationsschwierigkeit und können die irritierten Blicke ihrer deutschen Counterparts einsortieren, wenn diese ein „Hakenkreuz“ entdecken.

Andere wiederum, die zum ersten Mal mit Deutschen zusammenarbeiten, ahnen möglicherweise überhaupt nicht, dass dieses Zeichen Unbehagen auslösen könnte und entsprechend geschichtlich besetzt ist. Denn in Indien ist es ganz eindeutig: positiv. Glück. Nichts anderes.

Nicht zur Nachahmung empfohlen

Einer meiner Kunden erzählte mir von der Segnung der neuen Geschäftsautos. Die Inder hatten darauf bestanden, dass ein Brahmane kommt und die neuen Autos segnet. Eine schöne Feier sei es gewesen, bis….

der Priester mit gelben und orangen Blütenblättern ein großes Hakenkreuz auf die Kühlerhaube streute. Wunderbar, für die Inder. Die Fotoapparate der Inder klickten eifrig. …  Super Szene. Alles paletti. Mit dem Auto könne nun nichts mehr schief gehen. Schließlich sei es gesegnet. Der deutsche Geschäftsführer hatte alle Hände voll zu tun, die Veröffentlichung dieser Fotos zu unterbinden. Was wäre das für ein fetter Skandal. Was für ein Imageschaden.

Sie können aus diesem Beispiel lernen, dass es gut ist, sich vorher mit den Geschäftspartnern über die Symbole abzustimmen und darauf hinzuweisen, dass ein Hakenkreuz in Deutschland ganz andere Assoziationen hervorruft als Glück. Erklären Sie den Kontext und gehen Sie nicht davon aus, dass die Geschichte des Dritten Reichs in Indien überall bekannt ist.

Symbole sind nicht immer gleich besetzt. Vorsicht ist angeraten. Besser ist es, vorher nachzufragen als hinterher das Nachsehen zu haben. Denn in der Begegnung der Kulturen kommt es oft genug vor, dass scheinbar Selbstverständliches nicht selbstverständlich ist.

 


Mango: Die Lieblingsfrucht der Inder

Bei diesem Anblick läuft einem gleich das Wasser im Mund zusammen. Kunstvoll gestapelt in den Obstläden und auf den Verkaufsständen am Straßenrand, verlockend der Duft und der Geschmack einfach nur Genuss pur: Die Mango – durch nichts zu toppen, die Lieblingsfrucht der Inder.

Mango Chuttney, Mango Pickles, Mangosaft, Mango-Limonade, Mango-Lassi, Mango-Marmelade, Mangos getrocknet oder einfach als Obstsalat – Mango geht immer. Schmackhaft und gesund.

Das Million Dollar Business: Fruchtsaft

Von Jahr zu Jahr wächst die Nachfrage der Inder nach Fruchtsaft, vor allem der nach Mango.

„Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann verzieh dein Gesicht nicht wegen der Säure, sondern mach Limonade daraus. Wenn du Mangos hast, dann verarbeite das Fruchtfleisch“.

So dachte sich Rahoul Jain, dessen Familie eine große Mango-Plantage in der Nähe von Chennai besitzt und ständig Schwierigkeiten hatte, Pächter zu finden.

Food processing – ein Wachstumsmarkt in Indien

Weiterverarbeitung war für ihn das Zauberwort. Er baute gleich neben der Plantage eine Fabrik, um das Fruchtfleisch der Mangos zu verarbeiten. Das war Ende der 1990 Jahre. Dafür investierte er mehr als 300.000 €. Der Umsatz betrug 2013 rund 375 Millionen €. Der jährliche Gewinn liegt nach Angaben des findigen Geschäftsmanns bei 37,5 – 43,7 Millionen €. Heute ist sein Unternehmen Capricorn Food Products India einer der größten Mango verarbeitenden Betriebe Indiens.

Softdrinks boomen in Indien

„Fruchtfleisch, Konzentrat und gefrorene Früchte sind meine Bestseller“, sagt Rahoul Jain. Allein der Markt für Mango-Fruchtfleisch liegt bei  knapp einer Milliarde € pro Jahr und ist schnell wachsend. Hauptabnehmer ist die Getränkeindustrie.

PepsiCo, CocaCola, Unilever, Nestle und Parle Agro kaufen alles auf, was sie kriegen können. „Mein Hauptabnehmer ist PepsiCo. Dahin verkaufe ich etwa 95% meiner Produkte. Wer eine Flasche Slice bestellt – der Mango Softdrink von PepsiCo – hat gute Chancen, Obst von unserer Plantage in seinem Glas zu finden“, sagt der Chef von Capricorn Food.

Maaza, Slice und Frooti sind die bekanntesten Mangodrinks in Indien. Sie sind im Kiransstore (vergleichbar einem Tante Emma Laden) ebenso erhältlich wie im Supermarkt, in der Schulkantine und im 5-Sterne-Restaurant. Indien ist mit 45% Marktanteil weltweit der größte Mango-Produzent. Die meisten Mangos werden im Land selbst verbraucht. Frisch auf den Tisch oder als Chuttney oder Pickles. Es ist der Stolz aller Hausfrauen, hier mit einem ganz besonderen Rezept zu glänzen und die hausgemachten Spezialitäten an Freunde zu verschenken. Nur 5% der Mangos werden industriell weiterverarbeitet und bilden die Substanz für die beliebten Getränke.

Zukunftspläne: Noch mehr Wachstum

200.000 Tonnen Mangos werden bei Capricorn Food jedes Jahr verarbeitet, dazu 50.000 Tonnen Guaven, Papayas und Wassermelonen. Vieles davon geht in den Export.

Jain hat eine neue Idee, um mit seinem Unternehmen weiter wachsen. Die nächste Investition steht kurz vor der Realisierung: Eine Fabrik, die täglich 100 Tonnen Tomaten weiterverarbeiten kann. Tomatenmark, Tomatenstücke in Dosen, Ketchup – auch dieser Markt bietet gute Chancen. Das Konsumverhalten hat sich geändert. Indiens Mittel- und Oberschicht liebt Pasta, Pizza, Wraps und Fast Food. Und ganz klar: Ketchup ist seit Langem schon ein „Must have“ zu allen Burgers und Sandwiches.


„Um Mitternacht die Freiheit“ – Independence Day Indien am 15. August

Happy Independence Day!

Schulklassen üben schon für den großen Auftritt in den Stadien des Landes. Marschieren und performen zur indischen Nationalhymne. Vom Premierminister wird eine wegweisende Rede erwartet. Der 15. August ist Unabhängigkeitstag!

Indien erlangte am 15. August 1947 auf friedlichem Wege (ahimsa) die Unabhängigkeit von England. Dieses Ereignis ist mit den beiden großen politischen Kämpfern für die Unabhängigkeit Indiens verbunden: Mahatma Gandhi (1869-1948) und Jawaharlal Nehru (1889-1964).

Beide sind die herausragenden Persönlichkeiten im Indian National Congress, der 1885 in Bombay (=Mumbai) gegründet wurde, um mehr politische Mitsprache für die einheimische Bevölkerung zu erwirken. Beide haben in England Jura studiert und waren mit dem Denken, der Mentalität und der Sprache der Kolonialmacht bestens vertraut.

Es wundert nicht, dass Nehrus bekannte Rede „A tryst with destiny“ am Vorabend der Unabhängigkeit in englischer Sprache verfasst ist und – wie es in einem populären Diktum heißt – „um Mitternacht die Freiheit“ verkündet.

Long years ago we made a tryst with destiny, and now the time comes when we shall redeem our pledge, not wholly or in full measure, but very substantially. At the stroke of the midnight hour, when the world sleeps, India will awake to life and freedom. A moment comes, which comes but rarely in history, when we step out from the old to the new, when an age ends, and when the soul of a nation, long suppressed, finds utterance. … At the dawn of history India started on her unending quest, and trackless centuries which are filled with her striving and the grandeur of her success and her failures. Through good and ill fortunes alike she has never lost sight of that quest or forgotten the ideals which gave her strength. We end today a period of ill fortunes and India discovers herself again.“

Am Ende der Kolonialzeit: Wirtschaftlich kaputt gemacht

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts betrug Indiens Anteil an der Weltwirtschaft 23% und war damit so stark wie  Europa. Am Ende der Kolonialgeschichte schrumpfte dieser Anteil auf gerade einmal 4%.

Shashi Tharoor findet dafür klare Worte: „India was governed for the benefit of Britain. Britain’s rise for 200 years was financed by its depredations in India. … By the end of the 19th Century, India was Britains’s biggest cash-cow, the world’s biggest purchaser of British exports and the source of highly paid employment for British civil servants – all at India’s own expense. We literally paid four our own oppression“. (India Shastra. Reflections on the nation in Our time, New Delhi 2015, 95) .

Indien hat sich neu erfunden und ist heute eine der einflussreichsten Nationen in der Welt. Mit viel Potenzial. für die Zukunft. Happy Independence Day!


Ein Kommentar

Hier wird Indiens Zukunft gemacht – Narlanda: Zentrum der Exzellenz

Indische Jugend – sehr selbstbewusst

„Wie ist dein Wlan-Passwort“, fragt mich Anjali. Das ist der erste Satz, nachdem sie meine Wohnung betreten hat. Ein Langstreckenflug liegt hinter ihr. Das erste Mal ist sie in Deutschland, ja im Ausland überhaupt.

Sie ist 21, studiert Politikwissenschaften in Delhi. Den BA hat sie bereits in der Tasche. Sie studiert auf Master und will später in den indischen Staatsdienst. Viele schwierige Prüfungen stehen ihr noch bevor. Denn solche Jobs sind begehrt. Nur die besten schaffen es. Fleißig ist sie, ehrgeizig und ambitioniert: In ihrem LinkedIn-Profil steht unter der Berufsbezeichnung nicht etwas Studentin, sondern: „A diplomat in making!“

Anjali genießt ihre zwei Wochen in Deutschland. Ich erlebe, wie die indische Jugend tickt. Selfies ohne Ende, sogar aus der Umkleidekabine heraus. Die Klamotten und Schuhe werden anprobiert, fotografiert und per whats app sogleich nach Indien geschickt, wo ihre Freundinnen einen Kommentar abgeben. „Must have!“ oder „O Gott, geht gar nicht!“ Ich bin überrascht und merke, wie alt ich doch bin. Aber Selbstmitleid beiseite: Was habe ich gelernt?

Indiens Jugend ist stets connected! Mit der community werden die Neuigkeiten ausgetauscht und die Enttäuschung ist groß, wenn die Antwort mal eine halbe Stunde auf sich warten lässt. Mit dieser Impression verbindet sich Indiens Zeitgeist: Schnell muss es gehen. Indien will an die Spitze und zwar mit Vollgas. Da passt es, dass ein Stück großartiger Vergangenheit jetzt eine prächtige Zukunft hat: Narlanda wurde 2016 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt!

Was noch nie gehört? Dann wird es aber Zeit:

Noch vor Cambridge, Oxford und Harvard gab es Narlanda. Ein Zentrum der Exzellenz für Mathematik, Philosophie, Literatur und Buddhismus-Studien. Ein Hort der Wissenschaft und der Weisheit für mehr als 800 Jahre. Die besten Gelehrten der damals bekannten Welt unterrichteten hier, ehe die Elite-Universität gegen Ende des 12. Jahrhunderts zerstört wurde. Das war die Zeit, in der sich das Zentrum der Wissenschaft von Ost nach West verlagerte und in Europa große Universitäten entstanden.

Narlanda liegt gleich in der Nähe von Rajgir  (ca. 100 km entfernt von Patna) in Bihar, einem der heute eher strukturschwachen Bundesstaaten Indiens. 2010 hat die indische Regierung beschlossen, an den Glanz der vergangenen Zeiten anzuknüpfen und Narlanda wieder aufzubauen als das, was dieser Ort einmal war: ein Zentrum der Exzellenz und ein Magnet für die Gelehrten aus der ganzen Welt.

The rebirth: Die Besten der Besten

Nobelpreisträger Amartya Sen hat zusammen mit einem internationalen Team die Leitung dieses ambitionierten Projekts.

„Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Als Kind stand ich zusammen mit meinem Großvater vor den Ruinen der Universität und dachte, wie es wohl wäre, wenn dieser Ort der Wissenschaften wieder zum Leben erwachen würde“, erzählt er begeistert.

2014 werden die ersten Studierenden unterrichtet. 15 Stück, die Besten der Besten. Harte Prüfungen mussten sie absolvieren. 1000 Bewerbungen aus 40 Ländern gingen ein. Darunter auch aus Deutschland und Österreich.

Ein ganz kleiner Anfang in nur einem Gebäude, nahe bei den Ruinen der einstigen Elite-Universität. Geschichte und Umweltwissenschaften sollen die ersten Disziplinen sein, die man hier studieren kann. Die Fertigstellung des Campus ist für 2021/22 geplant. Dann soll in sieben Fakultäten unterrichtet werden. Wie in früheren Zeiten sind das interdisziplinäre Arbeiten und der Blick über den akademischen Elfenbeinturm hinaus wichtig.

Wirtschaft, Nachhaltigkeitsmanagement, verschiedene Disziplinen aus dem Spektrum der Geisteswissenschaften und Kulturwissenschaften Asien werden dann im Lehrangebot. Postgraduiertenprogramme werden von Anfang an angeboten. Mehr als 300 hochkarätige ExpertInnen sollen hier lehren. Die Schwierigkeit im Wiederaufbau von Narlanda besteht darin, das historische Erbe mit den Anforderungen einer modernen Forschungs- und Lehreinrichtung zu verbinden. 3,5 Milliarden € wird es Minimum kosten, die sieben Fakultäten zu errichten.

The Asian mindset – Narlanda ein Synonym für Elite made in Asia

Eine gewaltige Summe, die Indien nicht alleine trägt. Für den Wiederaufbau stellen viele asiatische Länder gerne Fördermittel zur Verfügung. Denn: Narlanda steht für asiatische Exzellenz. Es war ein Zentrum der Wissenschaften in Asien und soll es wieder werden. Zuschüsse kommen von Australien, Neuseeland und Singapur. China beteiligt sich mit 1 Million US-$, damit eine China-Abteilung in der Bibliothek eingerichtet werden kann, Thailand fördert den Bau des Campus mit 100.000 US-$. Singapur baut die Bibliothek und Japan übernimmt den Ausbau der Infrastruktur rund um den Campus.

Finanzielle Unterstützung ist auch von den Unternehmen zu erwarten, die erkannt haben, welch wertvolles Gut Bildung ist.

East meets the world

„Narlanda war einer der großen Orte in der Kulturgeschichte. Dieses Erbe verpflichtet uns. Wir bauen eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft und machen Narlanda erneut zu einem Ort wissenschaftlicher Exzellenz und Innovation“, sagt Amartya Sen.

Von der Uni wird der ganze Bundesstaat profitieren. Geplant sind ein IT-Park, die Ansiedlung mehrerer ausgezeichneter Krankenhäuser und Fachkliniken, der Bau eines Konferenzzentrums mit erstklassiger Ausstattung für internationale Kongresse und ein internationaler Flughafen.

„Narlanda wieder aufzubauen ist ein gesamt-asiatisches Projekt. Es zeigt unsere Solidarität und unser Geschichtsbewusstsein für asiatische Exzellenz. Gewiss, es ist auch ein Beispiel für die herausragende Rolle Indiens in Asien“, sagt S.D. Muni von der Universität Singapur und ergänzt: „Wenn Asien wieder zur alten Stärke zurückfindet, werden das wirtschaftliche Wachstum und die politische Stabilität auch auf die intellektuelle Tatkraft zurückgehen. Narlanda ist ein Schritt in diese Richtung!“

 


Unternehmerreise nach Pune im Oktober 2016

Indien erleben – ein spannendes Programm mit Perspektivwechsel

Heute möchte ich Ihnen ein Exposure und Dialog Programm empfehlen. Es geht nach Pune vom 2.10.-8.10.2016.

Intensiv, nah am Menschen, garantiert voller überraschender Einsichten und Erkenntnisse. Interkulturelle Kompetenz mit Tiefgang! 

Die indische Regierung propagiert „Make in India“ und „Skilling India“. Für den Erfolg der indischen Wirtschaft werden dringend qualifizierte Fachkräfte gebraucht. Dieses Programm zeigt wie es geht. Im Mittelpunkt steht das Don Bosco Private Industrial Training Institute in Pune, das Jugendlichen eine qualifizierte Berufsausbildung vermittelt.

Durchgeführt wird diese Reise für Unternehmer und Führungskräfte aus der deutsch-indischen Zusammenarbeit von EDP e.V., dem renommierten Anbieter für interkulturelle Exposees. Ich kann dieses Programm aus eigener Erfahrung nur wärmstens empfehlen.

Zur ausführlichen Beschreibung der Reise einfach in die Datei klicken.

2016_10_Informationen_EDP_Don_Bosco_de