Business Culture Indien

Interkulturelle Kompetenz ist der Schlüssel zu internationaler Unternehmensfitness


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Neue Beiträge unter www.dr-simone-rappel.de

Liebe Freunde von businesscultureindien.com,

meine neue website ist gestartet. Darin ist Platz für die Beiträge rund um die indische Kultur. Schauen Sie sich doch gleich meinen neuen Artikel an unter https://dr-simone-rappel.de/blog-business-culture-indien/

Ich freue mich, wenn Sie künftig diese Seite nutzen. Nach und nach werde ich alle veröffentlichten Artikel dorthin umziehen. Jetzt aber gönnen ich mir erst einmal drei Wochen Urlaub. Sie dürfen raten, wo. Richtig: Indien!

Ihnen alle eine gute Zeit und auf ein Wiedersehen unter der neuen Adresse!

Das Foto soll Ihnen schon Appetit auf mehr machen.


5 Kommentare

Softdrinks in Indien

Zisch! Jetzt eine Cola mit viel Eis. Das tut gut und bringt den schlappen Kreislauf wieder in Schwung. Besonders an heißen Sommertagen.

„Denkste!“ Ruft man in Indien. „Zu viel Zucker, zu viele Kalorien. Das Zeug macht dick und ist ungesund. Wer will denn so was?“

Das Bewusstsein ändert sich rapide im Land mit der höchsten Zahl an Diabetikern weltweit.

Deshalb heißt es:

„Colas are not fashionable anymore!“

Coca Cola und PepsiCo verlieren in Indien in den letzten drei Jahren kontinuierlich Marktanteile. Die beiden Konzerne hatten es ohnehin nie leicht in Indien. Nachdem sie endlich mit erheblichem Einsatz und allen Tricks aus der Kiste der Marketingtools Fuß fassen konnten und den Markt unter sich aufgeteilt hatten, kehren ihnen die Verbraucher den Rücken zu. Diese haben nämlich keine Lust mehr auf Dickmacher.

Softdrinks auf Fruchtsaft- oder Milchbasis sind voll angesagt.

Wie kommt das?

  1. Das Bewusstsein, gesund zu essen und zu trinken, nimmt zu. Vorbei die Zeit, in der eine Tüte Chips und eine Cola zum Inbegriff dessen gehörte, was sich die Mittelschicht gerne als Snack gönnt. Zunehmend adipöse Kinder und Diabetes sind das Ergebnis.  Angesichts dieser Fakten fordert Arvind Subramanian, Chefberater der indischen Regierung in Sachen Wirtschaft, eine drastische Maßnahme: eine „sin tax“ mit 40%, um die Ursachen dieser Zivilisationskrankheiten zu bekämpfen.
  2. Dazu kommt, dass die Auswahl an Softdrinks heute viel größer ist und die Fangemeinde von kohlensäurehaltigen Getränken nicht ganz so groß ist wie in anderen Ländern.
  3. Überdies fällt ein dritter Faktor ins Gewicht: die Gruppe, in der Coca Cola und Pepsi noch wachsen könnten, die untere Mittelschicht, ist sehr preissensitiv. Für sie sind Sprudelgetränke, die seit 2015 mit einer extra Steuer von 3,5% belegt werden, nach wie vor ein Luxus, den man sich nur ab und zu leistet. Cola ist für sie wie Schokolade oder Kekse: Genuss pur, wenn man sie sich manchmal gönnt. Aber eben nicht notwendig fürs tägliche Überleben.
  4. Außerdem ist „homemade“ in Indien ziemlich angesagt. Lokale Getränkehersteller treffen den Geschmack der Verbraucher besser und haben kürzere Entscheidungswege als das in den Großkonzernen der Fall ist. Auch das spielt eine Rolle in einem Markt, wo jeden Sommer ungefähr 600 neue Getränke auf den Markt gebracht werden, wovon allerdings 90% die nächste Saison nicht erleben.

Was tun Coca Cola und Pepsi?

Zugegeben, geklagt wird auf hohem Niveau. Denn beide zusammen dominieren den Markt noch mit 55,7% (Euromonitor 2016). Das ärgerliche ist jedoch, dass sie in einem jährlich um knapp 10% wachsenden Markt auf der Verliererseite stehen.

Deshalb ergreifen sie zwei Maßnahmen.

Nummer 1: Das Cola weniger süß machen. Andere Süßmittel nutzen. Dabei geht aber der ursprüngliche Geschmack verloren, was auch wiederum dicht allen schmecken wird.

Nummer 2: groß mitspielen in der Liga der gesunden Getränke!

Gerade der zweite Punkt ist vielversprechend: Coca Cola brachte unlängst drei neue Getränke auf den Markt: Aquarius, ein kohlensäurehaltiges Getränk mit wenig Kalorien, Vio auf Milchbasis und Zico mit Kokoswasser. Maaza, ein Mangoschorle, zum Coca Cola-Konzern gehörend, boomt mit einem Marktanteil von 29,7%, während Pepsis Fruchtsaftmarke Tropicana zwar erfolgreich ist, aber gegenüber den einheimischen Akteuren noch Potenzial nach oben hat. Gute Aussichten, denn der Fruchtsaftmarkt in Indien ist im letzten Jahr (2016) um stattliche 16% gewachsen.

„Future is golden“ und das liegt vor allen an der Mango

Doch auch kohlensäurehaltige Getränke auf Fruchtsaftbasis haben ihren Markt. Hier mischen zunehmend lokale Marken auf: Parle Agro launchte Appy Fizz als neue Marke und produziert sehr erfolgreich Frooti Fizz, eine Sprudelvariante des Erfolgsprodukts Frooti mit mindestens 11% Mango-Fruchtfleich. Mango-goldgelb ist, so könnten wir sagen, das neue schwarz. Um mit den Farben der Softdrinks etwas zu spielen.

Das Fazit: Der Kunde ist König

Der Verbraucher experimentierfreudiger und gesundheitsbewusster. Zuckerhaltige Dickmacher sind „no longer the first choice“! Der Markt an Softgetränken in Indien wird vielfältiger und gesünder, kalorienreduzierter und fruchtiger. Säfte, Nektar, Schorle liegen voll im Trend. Milch mit Hafer oder auch Kokoswasser gemischt mit Früchten sind most fashionable.

Enjoy a healthy future. Seien Sie ruhig hipp, indem Sie die die trendigen Softdrinks bei Konferenzen und Geschäftsverhandlungen servieren. Cheers! Prosit! Zum Wohlsein!


Literaturtipp: Tor Farovik, Indien und seine tausend Gesichter

Geschichte verpackt in spannende Geschichten – das bietet Tor Faroviks Buch. Aufklärend, anregend, aufregend, anstoßend, aufrüttelnd erzählt mit Leidenschaft. Inhaltlich ein Schwergewicht, geschrieben mit faszinierender Leichtigkeit. Ein absolutes „must read“ für alle, die in Indien leben und arbeiten oder ganz einfach der indischen Mentalität etwas mehr auf die Spur kommen möchten.

Wer dieses Buch gelesen hat, ist näher an Indien, vertrauter mit Land und Leuten!

Ob der indische Kampf nach Unabhängigkeit, das oft schwierige friedliche Zusammenleben von Hindus und Muslimen, das allabendliche Spektakel des Einholens der Flagge an der indisch-pakistanischen Grenze, die pulsierende Frömmigkeit in Varanasi, das Rotlichtviertel in Mumbai, die Lebensweisheit der Asketen, die Rolle der Frau in der indischen Gesellschaft inklusive Witwenverbrennung (ob freiwillig oder nicht) und und und. Wirtschaft, Soziales, Religiöses, Kulturelles, gesellschaftliche Brennpunkte – alles findet sich hier in eindrücklichen Geschichten verdichtet.

Lebendig und spannend öffnet sich ein Tor zur indischen Kultur.

Feinfühlig beobachtend, genau hinschauend, kritisch reflektierend, bisweilen verstörend, irritierend und überraschend erschließt sich mit jedem Kapitel Indien ein klein wenig mehr. Indien ist einzigartig. Vielfältig. Wenn es das eine gibt, gibt es ganz gewiss auch das Gegenteil dazu. Schade, dass das Buch nach 450 Seiten zu Ende ist. Es macht Lust auf mehr.

Jawaharlal Nehru, der erste indische Premierminister, sagte: „Ich habe versucht, Indien zu verstehen. Leider muss ich sagen, dass es mir nie gelungen ist.“ Seine Tochter Indira Gandhi meinte: „Wer Indien verstehen will, muss auf alle Vorurteile verzichten. Bloß keine Vergleiche! Indien ist anders.“

Dieses Buch hilft, Indien besser zu verstehen und ermöglicht es einem, eine Idee davon zu bekommen, wie Inder ticken. Ein wenig mehr Verstehen und sei es auch nur, um jenseits des scheinbar verstanden Geglaubten schon wieder auf die nächste Herausforderung zu stoßen und wieder einmal verblüfft und unverständig den Kopf zu schütteln. In der Hoffnung, dass sich irgendwann mal ein Aha-Erlebnis einstellt.

„Indien und seine tausend Gesichter“ ist definitiv Pflichtlektüre für alle, die Indien im Sinne einer Tiefenbohrung kennenlernen wollen. Spannender Lesegenuss und Wissensmehrung garantiert!

Alle, die mit Corporate India zu tun haben, gewinnen durch die kurzweilig erzählten Geschichten viel Hintergrundwissen, das sie geschickt ins Gespräch mit ihren Geschäftspartnern und KollegInnen einfließen lassen können. Damit sammeln sie wertvolle Pluspunkte für ein gelingendes Miteinander auf der Basis eines bessren, tiefgründigen Verstehens.

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Übrigens: Ich fand das Buch so klasse, dass ich unterm Gehen las und mich auf jede verspätete U-Bahn und jede rote Ampel freute, an der ich weiterlesen konnte.

Farovik, Indien und seine tausend Gesichter. Menschen, Mythen, Landschaften, München 4. Aufl. 2012 (445 Seiten). Der Preis: 14,99 €

ISBN 978-3-492-40282-8


Ein Kommentar

Erfolg durch Marktanpassung: Daikin Airconditioners

40 Grad plus. Buh, schwitz und trief! Glücklich, wer eine gut funktionierende Klimaanlage hat.

Im Büro ein must have. Privat noch immer der Traum von vielen: Eine Klimaanlage. Bibbern im Konferenzraum mit „chilligen“ 19 Grad, Schlafen bei angenehm kühlen Temperaturen, die AC im Auto bei vollem Gebläse auf max. 20 Grad, um dann nach dem Aussteigen gegen die Hitzewand anzukämpfen und mit beschlagenen Brillengläsern nach Orientierung zu suchen. Das ist das sommerliche Vergnügen in Indien.

Klimaanlagen sind in Indien „most wanted“. Das jährliche Wachstumspotenzial liegt bei mindestens 10%. Der Gewinn in der Branche: Minimum 16,500 crore (= 2,26 Mrd €). Da wollen viele ein Stück vom Kuchen haben: Voltas, LG, Samsung, Panasonic zum Beispiel und die japanische Premiummarke Daikin.

Anregungen zum Nachmachen

Doch der Weg, um im indischen Markt mit einem hochpreisigen Produkt Fuß zu fassen, war für Daikin äußerst steinig. Hier ein paar Meilensteine zum Erfolg:

Daikin produziert in Neemrana, 120 km von Delhi entfernt, täglich mehr 1.000 ACs, hauptsächlich für den Gebrauch zu Hause. 500.000 ACs verschiedener Typen können in der indischen Produktionsstätte pro Jahr gefertigt werden. Alle Komponenten werden in Indien gefertigt. Made in India funktioniert! Nur der Kompressor und die Kontrolleinheit werden aus Japan importiert.

Im Jahr 2000, als Daikin den Markteintritt in Indien realisierte, wurden alle Geräte als Fertigprodukte aus Japan eingeführt. Damals konnten und wollten sich nur wenige Superreiche die Luxusmarke leisten. Die Mehrheit sah nicht ein, warum man für kalte Luft so viel mehr zahlen soll, wenn es auch billiger geht.

Bald schon erkannte das Management, dass Indien sehr preissensibel ist.

„Gute Qualität bei niedrigerem Preis“, hieß fortan das Mantra bei Daikin.

Zugleich führte man ein breites Sortiment als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Anbietern ein: ACs und Kühlgeräte mit 0,75 t bis zu 2.700 t Leistung für den privaten und gewerblichen Bedarf. Dann folgte die Entscheidung, in Indien mit der Herstellung zu beginnen und immer mehr Komponenten von indischen Lieferanten zu beziehen. So konnte gewährleistet werden, dass der Preis niedrig bleibt, ohne Abstriche vom technischen Know how, das in den Geräten steckt, zu machen.

Ein weiterer Meilenstein zum Erfolg war die Entscheidung, in die Fläche zu gehen und dezentral sowohl Shops als auch Servicestellen aufzubauen. Die Zahl der Händler wuchs dadurch von ursprünglich 350 auf 1800. Zugleich investierte Daikin durch gezielte Werbung bei potenziellen Käufern in die Steigerung des Bekanntheitsgrades. Eine Umfrage zeigte nämlich, dass nur knapp mehr als 50% der Zielgruppe überhaupt von Daikin gehört hatte geschweige denn die Produktpalette kannte.

Innovation als Schlüssel zum Erfolg

Die konsequente Investition in die Herstellung energieeffizienter Geräte machte sich bezahlt. Für kleine Geräte mit hoher Leistung und wenig Verbrauch waren viele Käufer bereit, einen Preis zu zahlen, der 15% über dem der Mitbewerber liegt. Außerdem trägt zum Erfolg bei, dass Daikin in seinen Shops und Servicestellen mit Fachpersonal arbeitet, das für die verschiedenen Produkttypen speziell ausgebildet wurde. Das Tüpfchen auf dem I ist schließlich ein überzeugender After-Sale-Service.

„Anrufe müssen innerhalb von 11 Sekunden angenommen werden“, steht im Handbuch für das Servicepersonal, das auf Lösungsorientierung und Kundenfreundlichkeit geschult ist.

Was sich so selbstverständlich und leicht liest, war ein langer Weg und ist schwer erkämpft. „Try and error“ stand auf dem Programm, ständige Nachbesserung und Anpassung an die Vorlieben der indischen Kundschaft, die Bereitschaft, Fehler genau zu analysieren und aus ihnen zu lernen. Ebenso die Zähigkeit und der Wille, mit Qualität und Service ganz an die Spitze zu kommen.

Strategie zahlt sich aus – der Weg zum Erfolg

2009/2010 – also fast 10 Jahre nach Markteintritt – startete die Umsetzung des 150 seitigen Strategieplans „Vision 2015“, der von der indischen Niederlassung zusammen mit dem Mutterkonzern in Japan erarbeitet wurde. 34.000 Klimageräte wurden in diesem Geschäftsjahr verkauft. Der 7. Platz unter allen auf dem indischen Markt tätigen AC-Produzenten. 2012/2013 konnte Darkin eine Steigerung um den Faktor 12 erreichen. Das heißt rund 400.000 Geräte, die meisten davon für den privaten Bedarf. Der Gewinn stieg von 440 cr (= 60 Millionen Euro) auf über 2.200 cr (= 300 Millionen Euro). Daikin ist hinter Marktführer Voltas der zweit größte Hersteller von Klimaanlagen in Indien.

Für 2015 war das Ziel ausgegeben, die Nummer 1 in Indien zu werden. Daikin hat dieses bereits Ende 2014 erreicht.

Daikin hat den Beweis angetreten, dass höchste Qualität auch im preissensiblen Indien funktioniert. Lernen Sie aus den Erfolgsrezepten des japanischen Premiumherstellers für Klimaanlagen. Eine Geschichte, die Mut macht.

(Umrechnungskurs 1 Euro = 73 Rupien).


Voll angesagt: Auswärts Essen

Der Klassiker von einst!

Indien war immer etwas speziell, wenn es darum geht, Essen zu sich zu nehmen, das andere Leute gekocht haben. Wer weiß, was die so rein tun? Ob die wirklich sauber sind? Ob das Essen rein ist. Das heißt: den vielen religiösen Vorschriften gemäß zubereitet. Außerdem war es wichtig, dass Angehörige höherer Kasten, vor allem Brahmanen, nichts von dem zu sich nehmen, was Dalits (= Kastenlose, Unberührbare, Mahatma Gandhi nannte sie „Harijans“ – Kinder Gottes) kochten. Sie wären sonst unrein geworden. Skepsis und Misstrauen dominierten also. Überhaupt hieß es ganz praktisch: Zuhause schmeckt es am besten. Da weiß man, was man hat.

Eating out – the new definition of fun

Diese Zeiten scheinen nun endgültig vorbei. Auswärts zu Essen ist absolut im Trend. Vor allem in den Städten. Wer einen guten Job hat, kann es sich nicht nur leisten, in einem Restaurant Essen zu gehen, sondern genießt auch, dass andere die Arbeit für ihn erledigen. So bleibt Zeit, sich ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren: Das Treffen mit Freunden, das gute Gespräch. Sich zum Essen zu verabreden, ist heute also angesagt.

Außerdem, so die „Foodies“, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Man kann bestellen, wonach einem der Sinn ist. Vegetarisch oder doch etwas mit Fleisch. Die Vielfalt kennt keine Grenzen, zumal in den Städten Indiens inzwischen ganz unterschiedliche kulinarische Köstlichkeiten angeboten werden: Chinesisch ebenso wie mediterrane Küche, Burger und Sandwiches ebenso wie Pizza, Fastfoodketten wie Gourmet-Restaurants.

Eat healthy

Wenn auch die indische Mittelschicht vielfach gerade dabei ist, Rettungsringe und Hüftspeck anzusetzen, bricht sich ein neuer Trend die Bahn: Gesundes Essen. Die Zeitungen informieren nicht nur über gesundes Essen, sondern sind voll mit Rezepten über grüne Smoothies zum Beispiel und unterschiedlichste raffinierte Arten, Gemüse zuzubereiten. Avocados sind der Renner. „Low carb, low fat“ heißt die Devise.

Die Mutter meiner indischen Freundin, eine fortschrittliche Powerfrau der indischen Oberschicht, die sich von nichts und niemandem klein kriegen ließ, konnte sich mit Salat so gar nicht anfreunden. „Das ist Futter für die Ziegen und Schafe! So was kann man doch nicht essen!“ Ihr Tochter baut heute ganz selbstverständlich Ruccula, Endiviensalat und Kopfsalat im eigenen Gemüsegarten an. Bio selbstverständlich!

Die Einstellung zum Essen hat sich geändert. Uns ist das, was in Indien gerade populär wird, vertraut. Auch wir laden unsere Familie und Freunde zum Essen in ein Restaurant ein. Zwei große Unterschiede fallen gleichwohl auf: Einmal beim Zahlen und das andere Mal, wo man Platz nimmt. Verwundert? Dann lesen Sie einfach weiter.

Getrennt oder zusammen

Zum ersten: NIE käme man in Indien auf die Idee, das Servicepersonal um getrennte Rechnungen zu bitten oder am Tisch dann umständlich ausrechnen zu lassen, wer denn nun wieviel zu zahlen hat. Getrennt  oder zusammen, ist keine Frage in Indien. Es zahlt immer einer. Nämlich der, der einlädt.

Draußen – nein danke

Zum zweiten: In Indien mag man nicht draußen Essen. Ein schattiger Platz auf einer Terrasse oder im Biergarten unterm Kastanienbaum ist aus indischer Sicht komplett verrückt. Wieso in der Hitze sitzen, sich von Moskitos umschwirren lassen, wenn es doch innen mit der AC so gemütlich ist?

Besonders deutlich wurde mir das, als ich Anjali, eine Studentin aus Delhi zu Besuch hatte. Ihr erstes Mal außerhalb Indiens. Wir besuchten mehrere Städte in Deutschland und gingen ganz selbstverständlich auch zum Essen. Es war Juni und das Wetter war fantastisch. Für deutsche Verhältnisse. Die Straßencafés waren voll, jeder Platz im Biergarten besetzt. Wer draußen sitzen konnte, war glücklich.

Außer Anjali. Wenn ich ihr die Platzwahl überließ, landeten wir drinnen. Finster und stickig. Sie happy, ich nicht. Setzte ich mich durch und ergatterte einen Platz im Freien, hieß es: „These crazy Germans!“ Sie postete die Fotos von „im Freien sitzen und essen“ sofort in Facebook und sorgte bei ihren Freundinnen für komplette Verwirrung. Wie kann man nur? Völlig bescheuert.

Ob sich der Indian Mindset da noch ändern wird?

 

 


Wer sind die besten Chefs in Indien?

Die Oskars für die erfolgreichsten CEOs in Indien sind vergeben.

Business today, eines der renommierten Wirtschaftsmagazine Indiens startet mit einer Sonderausgabe ins Jahr 2017 und kürt die erfolgreichsten Vorstandsvorsitzenden von Corporate India. Die Auszeichnungen werden in 19 Branchen verliehen. Zusätzlich gibt es – abhängig von der Firmengröße – vier weitere Auszeichnungen für „Besten der Besten“. Darunter eine Frau, Nishi Vasudeva von HPCL (Hindustan Petroleum Corporation Limited), die den staatlichen Öl- und Gas-Konzern trotz schwierigster Verhältnisse am Markt auf Erfolgskurs steuerte.

Leadership Excellence: Was zeichnet die Gewinner aus?

Dieses von PwC India durchgeführte Ranking, für das aus den indischen „Top 500-Firmen“ nach einem strengen Kriterienkatalog 246 Firmen ausgewählt wurden, gibt einen guten Einblick in die Herausforderungen, mit denen die Chefetagen befasst sind. Wer heute erfolgreich ist, so dürfen wir schlussfolgern, kommt mit der VUCA-Welt (volatil, unsicher, komplex, mehrdeutig) zurecht und kann unter Druck und mit immer mehr Risiko in immer kürzerer Taktung die richtigen Entscheidungen treffen und sein Unternehmen halbwegs sicher in Richtung erfolgreiche Zukunft lenken.

Die Erfolgsrezepte der besten CEOs Indien

„When the going gets tough, the tough get going“, heißt es da zum Beispiel. Hingabe, Disziplin, Beharrlichkeit und die gelassene Ausdauer, das definierte Ziel niemals aus den Augen zu lassen, sind die Qualitätsmerkmale, die den ausgezeichneten Chefs von Führungskräften und Mitarbeitenden attestiert wird. Sie halten Wort, auf sie kann man sich verlassen. Sie gehen mit gutem Beispiel voran und vertrauen ihren Mitarbeitenden. Sie verlangen viel und geben selbst ihr bestes.

Neben solchen Charaktereigenschaften überzeugen sie durch das Aufspüren von Trends und neuen (internationalen) Märkten, die klare Fokussierung auf bestimmte Geschäftsfelder und deren profitable Weiterentwicklung, ein verlässliches Netzwerk mit Ideengebern und Experten aus ganz verschiedenen Bereichen sowie den Mut zu Innovation, geschickten strategischen Allianzen und Zukäufen.

Erstens: Auf Einkaufstour

Der in der Kategorie mittelgroße Unternehmen ausgezeichnete Chairman & MD Venu Srinivasan brachte TVS Motor Company, ursprünglich ein Mopedhersteller, durch ein erweitertes Portfolio (Roller, Motorräder und Fahrräder) wieder auf Kurs und ging 2013 eine gewinnbringende Allianz mit BWM Motorrad ein. Samir Mehta, CEO Torrent Pharmaceuticals, geht heute in den USA und Brasilien besonders gerne auf Einkaufstour, nachdem er bereits 2005  Heumann Pharma aus Nürnberg aufkaufte und zur Tochtergesellschaft von Torrent machte. Zee Entertainment unter dem von Business Today ebenfalls ausgezeichneten CEO Punit Goenka ist seit Herbst 2016 auch in Deutschland auf Sendung, nachdem sich der indische Mediengigant neben anderen Ländern schon in Russland, Südafrika und im spanischsprechenden US-Markt etablieren konnte.

Zweitens: Das Ohr am Kunden

„We have to surprise our customers with new offerings – innovation in design, in performance, price, shape and size of our vehicles“, sagt Kenichi Ayukawa, MD & CEO von Maruti Suzuki. Anders als die anderen zu sein, die Nische zu finden und sich darin zu positionieren, ist das Credo von Romesh Sobti, CEO & MD der IndusInd Bank. „We come out with something new for customers almost every six month.” So wundert es nicht, dass sich besonders lange Schlangen vor den Geldautomaten seiner Bank bildeten, als über Nacht die 500- und 1000 Rs Scheine für ungültig erklärt worden. Warum: Nur die ATMs der IndusInd Bank geben den Kunden die Möglichkeit, die Stückelung der Scheine zu wählen. Mit „Choice Money“ (eingeführt 2009) war es leicht für die Kunden, nur Scheine im Wert von 100 Rs am Automaten zu ziehen.

Den entscheidenden Schritt voraus

Trends auszumachen ist auch „the magic mantra“ für H.M. Bharuka, MD von Kansai Nerolac, einer auf Farben und Lacke spezialisierten Firma. Während ursprünglich nur Farben für die industrielle Weiterverarbeitung etwa das Anbringen auf Autos oder elektronischen Gütern (v.a. weiße Ware) gefertigt wurden, kommt heute mehr als die Hälfte des Umsatzes von Wandfarben. „We have been growing in double digits for the past 25 years. This will continue for the next 20 years. The challenge will be to introduce new products. We should be driven by technology for capturing opportunities available. We are, for instance, doing constant research to reduce energy consumption.”

Ganz klassisch geht Ramesh Kumar Dua vor, der Managing Director von Relaxo Footwears. Er und sein Bruder besuchen meist unangekündigt zwei bis dreimal in der Woche einen Schuhladen und hören sich um. Bei den Kunden und Verkäufern. So bekommen sie die besten Ideen. Außerdem werden alle Ladenbesitzer regelmäßig befragt, welche Trends sich in den Verkaufsgesprächen abzeichnen. „Wir testen viel in unseren Laboren, aber das wichtigste ist das Gespräch mit den Kunden! Sie geben uns viele Hausaufgaben mit.“

Das Ohr am Kunden hat auch C.P. Gurani, CEO &MD von Tech Mahindra. Freunde und Geschäftspartner sagen über ihn, er sei ein „people’s man“. Einer, der genau zuhört – nicht nur den Kunden, sondern auch den Mitarbeitenden – und der ein Gedächtnis wie ein Elefant hat. So ist er am Puls der Zeit und seiner Konkurrenz oft einen Schritt voraus.

Entscheidend für das weitere Wachsen ihrer Firmen ist das Erschließen neuer Märkte. Gewiss: Indiens Mittelschicht wächst. Kaufkraft ist im Land zunehmend vorhanden. Viele aber sehen sich zunehmend sehr selbstbewusst weltweit um. Gerade auch in den USA und in Europa.


Swastika – Sonnensymbol, tanzender Shiva oder Hakenkreuz?

Wer das weiß, ist im Vorteil

Entsetzen ruft das Hakenkreuz hervor, das in Indien als dekoratives Element auf Saris ebenso verwendet wird, wie zur Gestaltung von Fenstern oder Befestigungsmauern und Gartenzäunen.

Dieses Symbol hat nichts mit nationalsozialistischer Ideologie zu tun, sondern ist seit vielen tausend Jahren in Indien ein Glückszeichen.

In Indien ein Glückszeichen

Einer Deutung nach ist swastika die schematische Darstellung des Gottes Shiva, der im Tanz die Welt erschafft und Freude hervorbringt. Einer anderen Interpretation nach ist es das Rad der Sonne, die Licht und Wärme bringt und als Glückszeichen angesehen wird.

Viele Inder, die bereits mit deutschen Geschäftspartnern Erfahrung haben, wissen um die Interpretationsschwierigkeit und können die irritierten Blicke ihrer deutschen Counterparts einsortieren, wenn diese ein „Hakenkreuz“ entdecken.

Andere wiederum, die zum ersten Mal mit Deutschen zusammenarbeiten, ahnen möglicherweise überhaupt nicht, dass dieses Zeichen Unbehagen auslösen könnte und entsprechend geschichtlich besetzt ist. Denn in Indien ist es ganz eindeutig: positiv. Glück. Nichts anderes.

Nicht zur Nachahmung empfohlen

Einer meiner Kunden erzählte mir von der Segnung der neuen Geschäftsautos. Die Inder hatten darauf bestanden, dass ein Brahmane kommt und die neuen Autos segnet. Eine schöne Feier sei es gewesen, bis….

der Priester mit gelben und orangen Blütenblättern ein großes Hakenkreuz auf die Kühlerhaube streute. Wunderbar, für die Inder. Die Fotoapparate der Inder klickten eifrig. …  Super Szene. Alles paletti. Mit dem Auto könne nun nichts mehr schief gehen. Schließlich sei es gesegnet. Der deutsche Geschäftsführer hatte alle Hände voll zu tun, die Veröffentlichung dieser Fotos zu unterbinden. Was wäre das für ein fetter Skandal. Was für ein Imageschaden.

Sie können aus diesem Beispiel lernen, dass es gut ist, sich vorher mit den Geschäftspartnern über die Symbole abzustimmen und darauf hinzuweisen, dass ein Hakenkreuz in Deutschland ganz andere Assoziationen hervorruft als Glück. Erklären Sie den Kontext und gehen Sie nicht davon aus, dass die Geschichte des Dritten Reichs in Indien überall bekannt ist.

Symbole sind nicht immer gleich besetzt. Vorsicht ist angeraten. Besser ist es, vorher nachzufragen als hinterher das Nachsehen zu haben. Denn in der Begegnung der Kulturen kommt es oft genug vor, dass scheinbar Selbstverständliches nicht selbstverständlich ist.