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Interkulturelle Kompetenz ist der Schlüssel zu internationaler Unternehmensfitness


Ein Kommentar

Hier wird Indiens Zukunft gemacht – Narlanda: Zentrum der Exzellenz

Indische Jugend – sehr selbstbewusst

„Wie ist dein Wlan-Passwort“, fragt mich Anjali. Das ist der erste Satz, nachdem sie meine Wohnung betreten hat. Ein Langstreckenflug liegt hinter ihr. Das erste Mal ist sie in Deutschland, ja im Ausland überhaupt.

Sie ist 21, studiert Politikwissenschaften in Delhi. Den BA hat sie bereits in der Tasche. Sie studiert auf Master und will später in den indischen Staatsdienst. Viele schwierige Prüfungen stehen ihr noch bevor. Denn solche Jobs sind begehrt. Nur die besten schaffen es. Fleißig ist sie, ehrgeizig und ambitioniert: In ihrem LinkedIn-Profil steht unter der Berufsbezeichnung nicht etwas Studentin, sondern: „A diplomat in making!“

Anjali genießt ihre zwei Wochen in Deutschland. Ich erlebe, wie die indische Jugend tickt. Selfies ohne Ende, sogar aus der Umkleidekabine heraus. Die Klamotten und Schuhe werden anprobiert, fotografiert und per whats app sogleich nach Indien geschickt, wo ihre Freundinnen einen Kommentar abgeben. „Must have!“ oder „O Gott, geht gar nicht!“ Ich bin überrascht und merke, wie alt ich doch bin. Aber Selbstmitleid beiseite: Was habe ich gelernt?

Indiens Jugend ist stets connected! Mit der community werden die Neuigkeiten ausgetauscht und die Enttäuschung ist groß, wenn die Antwort mal eine halbe Stunde auf sich warten lässt. Mit dieser Impression verbindet sich Indiens Zeitgeist: Schnell muss es gehen. Indien will an die Spitze und zwar mit Vollgas. Da passt es, dass ein Stück großartiger Vergangenheit jetzt eine prächtige Zukunft hat: Narlanda wurde 2016 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt!

Was noch nie gehört? Dann wird es aber Zeit:

Noch vor Cambridge, Oxford und Harvard gab es Narlanda. Ein Zentrum der Exzellenz für Mathematik, Philosophie, Literatur und Buddhismus-Studien. Ein Hort der Wissenschaft und der Weisheit für mehr als 800 Jahre. Die besten Gelehrten der damals bekannten Welt unterrichteten hier, ehe die Elite-Universität gegen Ende des 12. Jahrhunderts zerstört wurde. Das war die Zeit, in der sich das Zentrum der Wissenschaft von Ost nach West verlagerte und in Europa große Universitäten entstanden.

Narlanda liegt gleich in der Nähe von Rajgir  (ca. 100 km entfernt von Patna) in Bihar, einem der heute eher strukturschwachen Bundesstaaten Indiens. 2010 hat die indische Regierung beschlossen, an den Glanz der vergangenen Zeiten anzuknüpfen und Narlanda wieder aufzubauen als das, was dieser Ort einmal war: ein Zentrum der Exzellenz und ein Magnet für die Gelehrten aus der ganzen Welt.

The rebirth: Die Besten der Besten

Nobelpreisträger Amartya Sen hat zusammen mit einem internationalen Team die Leitung dieses ambitionierten Projekts.

„Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Als Kind stand ich zusammen mit meinem Großvater vor den Ruinen der Universität und dachte, wie es wohl wäre, wenn dieser Ort der Wissenschaften wieder zum Leben erwachen würde“, erzählt er begeistert.

2014 werden die ersten Studierenden unterrichtet. 15 Stück, die Besten der Besten. Harte Prüfungen mussten sie absolvieren. 1000 Bewerbungen aus 40 Ländern gingen ein. Darunter auch aus Deutschland und Österreich.

Ein ganz kleiner Anfang in nur einem Gebäude, nahe bei den Ruinen der einstigen Elite-Universität. Geschichte und Umweltwissenschaften sollen die ersten Disziplinen sein, die man hier studieren kann. Die Fertigstellung des Campus ist für 2021/22 geplant. Dann soll in sieben Fakultäten unterrichtet werden. Wie in früheren Zeiten sind das interdisziplinäre Arbeiten und der Blick über den akademischen Elfenbeinturm hinaus wichtig.

Wirtschaft, Nachhaltigkeitsmanagement, verschiedene Disziplinen aus dem Spektrum der Geisteswissenschaften und Kulturwissenschaften Asien werden dann im Lehrangebot. Postgraduiertenprogramme werden von Anfang an angeboten. Mehr als 300 hochkarätige ExpertInnen sollen hier lehren. Die Schwierigkeit im Wiederaufbau von Narlanda besteht darin, das historische Erbe mit den Anforderungen einer modernen Forschungs- und Lehreinrichtung zu verbinden. 3,5 Milliarden € wird es Minimum kosten, die sieben Fakultäten zu errichten.

The Asian mindset – Narlanda ein Synonym für Elite made in Asia

Eine gewaltige Summe, die Indien nicht alleine trägt. Für den Wiederaufbau stellen viele asiatische Länder gerne Fördermittel zur Verfügung. Denn: Narlanda steht für asiatische Exzellenz. Es war ein Zentrum der Wissenschaften in Asien und soll es wieder werden. Zuschüsse kommen von Australien, Neuseeland und Singapur. China beteiligt sich mit 1 Million US-$, damit eine China-Abteilung in der Bibliothek eingerichtet werden kann, Thailand fördert den Bau des Campus mit 100.000 US-$. Singapur baut die Bibliothek und Japan übernimmt den Ausbau der Infrastruktur rund um den Campus.

Finanzielle Unterstützung ist auch von den Unternehmen zu erwarten, die erkannt haben, welch wertvolles Gut Bildung ist.

East meets the world

„Narlanda war einer der großen Orte in der Kulturgeschichte. Dieses Erbe verpflichtet uns. Wir bauen eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft und machen Narlanda erneut zu einem Ort wissenschaftlicher Exzellenz und Innovation“, sagt Amartya Sen.

Von der Uni wird der ganze Bundesstaat profitieren. Geplant sind ein IT-Park, die Ansiedlung mehrerer ausgezeichneter Krankenhäuser und Fachkliniken, der Bau eines Konferenzzentrums mit erstklassiger Ausstattung für internationale Kongresse und ein internationaler Flughafen.

„Narlanda wieder aufzubauen ist ein gesamt-asiatisches Projekt. Es zeigt unsere Solidarität und unser Geschichtsbewusstsein für asiatische Exzellenz. Gewiss, es ist auch ein Beispiel für die herausragende Rolle Indiens in Asien“, sagt S.D. Muni von der Universität Singapur und ergänzt: „Wenn Asien wieder zur alten Stärke zurückfindet, werden das wirtschaftliche Wachstum und die politische Stabilität auch auf die intellektuelle Tatkraft zurückgehen. Narlanda ist ein Schritt in diese Richtung!“