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Interkulturelle Kompetenz ist der Schlüssel zu internationaler Unternehmensfitness

Softdrinks in Indien

5 Kommentare

Zisch! Jetzt eine Cola mit viel Eis. Das tut gut und bringt den schlappen Kreislauf wieder in Schwung. Besonders an heißen Sommertagen.

„Denkste!“ Ruft man in Indien. „Zu viel Zucker, zu viele Kalorien. Das Zeug macht dick und ist ungesund. Wer will denn so was?“

Das Bewusstsein ändert sich rapide im Land mit der höchsten Zahl an Diabetikern weltweit.

Deshalb heißt es:

„Colas are not fashionable anymore!“

Coca Cola und PepsiCo verlieren in Indien in den letzten drei Jahren kontinuierlich Marktanteile. Die beiden Konzerne hatten es ohnehin nie leicht in Indien. Nachdem sie endlich mit erheblichem Einsatz und allen Tricks aus der Kiste der Marketingtools Fuß fassen konnten und den Markt unter sich aufgeteilt hatten, kehren ihnen die Verbraucher den Rücken zu. Diese haben nämlich keine Lust mehr auf Dickmacher.

Softdrinks auf Fruchtsaft- oder Milchbasis sind voll angesagt.

Wie kommt das?

  1. Das Bewusstsein, gesund zu essen und zu trinken, nimmt zu. Vorbei die Zeit, in der eine Tüte Chips und eine Cola zum Inbegriff dessen gehörte, was sich die Mittelschicht gerne als Snack gönnt. Zunehmend adipöse Kinder und Diabetes sind das Ergebnis.  Angesichts dieser Fakten fordert Arvind Subramanian, Chefberater der indischen Regierung in Sachen Wirtschaft, eine drastische Maßnahme: eine „sin tax“ mit 40%, um die Ursachen dieser Zivilisationskrankheiten zu bekämpfen.
  2. Dazu kommt, dass die Auswahl an Softdrinks heute viel größer ist und die Fangemeinde von kohlensäurehaltigen Getränken nicht ganz so groß ist wie in anderen Ländern.
  3. Überdies fällt ein dritter Faktor ins Gewicht: die Gruppe, in der Coca Cola und Pepsi noch wachsen könnten, die untere Mittelschicht, ist sehr preissensitiv. Für sie sind Sprudelgetränke, die seit 2015 mit einer extra Steuer von 3,5% belegt werden, nach wie vor ein Luxus, den man sich nur ab und zu leistet. Cola ist für sie wie Schokolade oder Kekse: Genuss pur, wenn man sie sich manchmal gönnt. Aber eben nicht notwendig fürs tägliche Überleben.
  4. Außerdem ist „homemade“ in Indien ziemlich angesagt. Lokale Getränkehersteller treffen den Geschmack der Verbraucher besser und haben kürzere Entscheidungswege als das in den Großkonzernen der Fall ist. Auch das spielt eine Rolle in einem Markt, wo jeden Sommer ungefähr 600 neue Getränke auf den Markt gebracht werden, wovon allerdings 90% die nächste Saison nicht erleben.

Was tun Coca Cola und Pepsi?

Zugegeben, geklagt wird auf hohem Niveau. Denn beide zusammen dominieren den Markt noch mit 55,7% (Euromonitor 2016). Das ärgerliche ist jedoch, dass sie in einem jährlich um knapp 10% wachsenden Markt auf der Verliererseite stehen.

Deshalb ergreifen sie zwei Maßnahmen.

Nummer 1: Das Cola weniger süß machen. Andere Süßmittel nutzen. Dabei geht aber der ursprüngliche Geschmack verloren, was auch wiederum dicht allen schmecken wird.

Nummer 2: groß mitspielen in der Liga der gesunden Getränke!

Gerade der zweite Punkt ist vielversprechend: Coca Cola brachte unlängst drei neue Getränke auf den Markt: Aquarius, ein kohlensäurehaltiges Getränk mit wenig Kalorien, Vio auf Milchbasis und Zico mit Kokoswasser. Maaza, ein Mangoschorle, zum Coca Cola-Konzern gehörend, boomt mit einem Marktanteil von 29,7%, während Pepsis Fruchtsaftmarke Tropicana zwar erfolgreich ist, aber gegenüber den einheimischen Akteuren noch Potenzial nach oben hat. Gute Aussichten, denn der Fruchtsaftmarkt in Indien ist im letzten Jahr (2016) um stattliche 16% gewachsen.

„Future is golden“ und das liegt vor allen an der Mango

Doch auch kohlensäurehaltige Getränke auf Fruchtsaftbasis haben ihren Markt. Hier mischen zunehmend lokale Marken auf: Parle Agro launchte Appy Fizz als neue Marke und produziert sehr erfolgreich Frooti Fizz, eine Sprudelvariante des Erfolgsprodukts Frooti mit mindestens 11% Mango-Fruchtfleich. Mango-goldgelb ist, so könnten wir sagen, das neue schwarz. Um mit den Farben der Softdrinks etwas zu spielen.

Das Fazit: Der Kunde ist König

Der Verbraucher experimentierfreudiger und gesundheitsbewusster. Zuckerhaltige Dickmacher sind „no longer the first choice“! Der Markt an Softgetränken in Indien wird vielfältiger und gesünder, kalorienreduzierter und fruchtiger. Säfte, Nektar, Schorle liegen voll im Trend. Milch mit Hafer oder auch Kokoswasser gemischt mit Früchten sind most fashionable.

Enjoy a healthy future. Seien Sie ruhig hipp, indem Sie die die trendigen Softdrinks bei Konferenzen und Geschäftsverhandlungen servieren. Cheers! Prosit! Zum Wohlsein!

5 Kommentare zu “Softdrinks in Indien

  1. Ich bin regelmäßig in Indien, lebe dann jeweils dort in einer indischen Familie, und habe demzufolge auch schon viele Geburtstage, Hochzeiten und ähnliche Feiern miterlebt.

    Klar wird dort (als Besonderheit) CocaCola im Plastikbecher 🙂 serviert, aber dies ist hinsichtlich des täglichen Zuckerkonsums 1.) relativ selten – weil teuer, und 2.) liegen die Ursachen für die steigende Zahl von Diabetikern m.E. vielmehr an anderen Verhaltensweisen, z.B. daran, dass der indische Tee (Chai oder Cha) mit sehr viel Zucker getrunken wird. Darüber hinaus werden nach den Mahlzeiten regelmäßig Süßspeisen (Jelebi, Barfi, Gulab Jamun usw.) verzehrt.

    Meine Einschätzung (obwohl ich sehr wenig CocaCola trinke): Daran liegt es nicht !!

    • Hallo Herr Sundermann, danke für Ihren Kommentar. Business Today hat darüber berichtet, wie „zuckerbewusst“ Indien jetzt doch wird und welche anderen Drinks jetzt aufgetischt werden. Die Szenen, die Sie beschreiben, kenne ich auch zu gut. Und in der Tat: Während ich das hier schreibe, trinke ich gerade ein Cola Zero. Eine schlechte Angewohnheit, um meinen Blutdruck etwas aufzupeppen. So ein bisschen in Richtung 100. Als ich vor zwei Jahren eine Ayurvedakur machte und von dieser sehr schlechten Angewohnheit berichtete, sagte die Ärztin ganz mitleidig und mit dem Unterton, als würde ich gleich tot vom Stuhl fallen: „It is a very bad habit!“

      • Hallo Frau Rappel, ich persönlich glaube, die „indische Seele“ etwas zu kennen, und kann mir kaum vorstellen, dass die Menschen dort (trotz irgendwelcher Gesundheits-Kampagnen) an ihren täglichen Gewohnheiten viel ändern werden.

        Dass CocaCola in verschiedenen Ländern verschiedene Geschmacksgrade liefert bzw. herstellen lässt, war mir bekannt. Vielleicht hat das Unternehmen mit einer Zuckerreduzierung in Indien Erfolg – ich würde dies sehr begrüßen.

  2. Super Beitrag.

    Es stimmt schon, die Leute werden immer mehr gesundheitsbewusst. Die Frage ist jedoch auch wie es den Konsum von Lebensmitteln beeinflusst.

    Immer mehr Menschen in Indien versuchen nun zum Beispiel morgens oder abends zu “Laufen”. Das hilft teilweise bereits. Hier im Süden Indiens in Kerala, ist das schon fast zum Volkssport geworden. Früh morgens kann man zig Leute sehen die auf den Strassen laufen.

    Gleichzeitig wird auch versucht weniger Zucker zu verwenden. Viele Familien verzichten nun auf das Zucker im Kaffee oder trinken ihn nur einmal am Tag.

    Auch Yoga, etwas was eigentlich eher im Westen beliebt ist, gewinnt an Bedeutung, da es auch von älteren Personen einfach praktiziert werden kann.

    Beim Essen habe ich dennoch das Gefühl, dass viele nicht wirklich zurückstecken wollen. Die Tradition verlangt nun mal ganz süssen Sachen 😊 und nach viel Essen. Alles andere wirkt ein wenig wie Armut.

    Der Trend zum Abnehmen ist jedoch auch auf dem Subkontinent auf dem Vormarsch.

    Vielen Dank für Ihre Informationen. Sehr spannend.

    Viele Grüsse
    Sascha Thattil

    • Hallo Herr Thattil, vielen Dank für den Kommentar mit den vielen Schilderungen, was sich schon so in Sachen Gesundheitsbewusstsein tut. Ich erlebe das auch so. Jogging, Walking und kalorienbewussteres Essen. Die Zeitungen sind ja auch voll von Tipps zu detox your Body…