Business Culture Indien

Interkulturelle Kompetenz ist der Schlüssel zu internationaler Unternehmensfitness


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Softdrinks in Indien

Zisch! Jetzt eine Cola mit viel Eis. Das tut gut und bringt den schlappen Kreislauf wieder in Schwung. Besonders an heißen Sommertagen.

„Denkste!“ Ruft man in Indien. „Zu viel Zucker, zu viele Kalorien. Das Zeug macht dick und ist ungesund. Wer will denn so was?“

Das Bewusstsein ändert sich rapide im Land mit der höchsten Zahl an Diabetikern weltweit.

Deshalb heißt es:

„Colas are not fashionable anymore!“

Coca Cola und PepsiCo verlieren in Indien in den letzten drei Jahren kontinuierlich Marktanteile. Die beiden Konzerne hatten es ohnehin nie leicht in Indien. Nachdem sie endlich mit erheblichem Einsatz und allen Tricks aus der Kiste der Marketingtools Fuß fassen konnten und den Markt unter sich aufgeteilt hatten, kehren ihnen die Verbraucher den Rücken zu. Diese haben nämlich keine Lust mehr auf Dickmacher.

Softdrinks auf Fruchtsaft- oder Milchbasis sind voll angesagt.

Wie kommt das?

  1. Das Bewusstsein, gesund zu essen und zu trinken, nimmt zu. Vorbei die Zeit, in der eine Tüte Chips und eine Cola zum Inbegriff dessen gehörte, was sich die Mittelschicht gerne als Snack gönnt. Zunehmend adipöse Kinder und Diabetes sind das Ergebnis.  Angesichts dieser Fakten fordert Arvind Subramanian, Chefberater der indischen Regierung in Sachen Wirtschaft, eine drastische Maßnahme: eine „sin tax“ mit 40%, um die Ursachen dieser Zivilisationskrankheiten zu bekämpfen.
  2. Dazu kommt, dass die Auswahl an Softdrinks heute viel größer ist und die Fangemeinde von kohlensäurehaltigen Getränken nicht ganz so groß ist wie in anderen Ländern.
  3. Überdies fällt ein dritter Faktor ins Gewicht: die Gruppe, in der Coca Cola und Pepsi noch wachsen könnten, die untere Mittelschicht, ist sehr preissensitiv. Für sie sind Sprudelgetränke, die seit 2015 mit einer extra Steuer von 3,5% belegt werden, nach wie vor ein Luxus, den man sich nur ab und zu leistet. Cola ist für sie wie Schokolade oder Kekse: Genuss pur, wenn man sie sich manchmal gönnt. Aber eben nicht notwendig fürs tägliche Überleben.
  4. Außerdem ist „homemade“ in Indien ziemlich angesagt. Lokale Getränkehersteller treffen den Geschmack der Verbraucher besser und haben kürzere Entscheidungswege als das in den Großkonzernen der Fall ist. Auch das spielt eine Rolle in einem Markt, wo jeden Sommer ungefähr 600 neue Getränke auf den Markt gebracht werden, wovon allerdings 90% die nächste Saison nicht erleben.

Was tun Coca Cola und Pepsi?

Zugegeben, geklagt wird auf hohem Niveau. Denn beide zusammen dominieren den Markt noch mit 55,7% (Euromonitor 2016). Das ärgerliche ist jedoch, dass sie in einem jährlich um knapp 10% wachsenden Markt auf der Verliererseite stehen.

Deshalb ergreifen sie zwei Maßnahmen.

Nummer 1: Das Cola weniger süß machen. Andere Süßmittel nutzen. Dabei geht aber der ursprüngliche Geschmack verloren, was auch wiederum dicht allen schmecken wird.

Nummer 2: groß mitspielen in der Liga der gesunden Getränke!

Gerade der zweite Punkt ist vielversprechend: Coca Cola brachte unlängst drei neue Getränke auf den Markt: Aquarius, ein kohlensäurehaltiges Getränk mit wenig Kalorien, Vio auf Milchbasis und Zico mit Kokoswasser. Maaza, ein Mangoschorle, zum Coca Cola-Konzern gehörend, boomt mit einem Marktanteil von 29,7%, während Pepsis Fruchtsaftmarke Tropicana zwar erfolgreich ist, aber gegenüber den einheimischen Akteuren noch Potenzial nach oben hat. Gute Aussichten, denn der Fruchtsaftmarkt in Indien ist im letzten Jahr (2016) um stattliche 16% gewachsen.

„Future is golden“ und das liegt vor allen an der Mango

Doch auch kohlensäurehaltige Getränke auf Fruchtsaftbasis haben ihren Markt. Hier mischen zunehmend lokale Marken auf: Parle Agro launchte Appy Fizz als neue Marke und produziert sehr erfolgreich Frooti Fizz, eine Sprudelvariante des Erfolgsprodukts Frooti mit mindestens 11% Mango-Fruchtfleich. Mango-goldgelb ist, so könnten wir sagen, das neue schwarz. Um mit den Farben der Softdrinks etwas zu spielen.

Das Fazit: Der Kunde ist König

Der Verbraucher experimentierfreudiger und gesundheitsbewusster. Zuckerhaltige Dickmacher sind „no longer the first choice“! Der Markt an Softgetränken in Indien wird vielfältiger und gesünder, kalorienreduzierter und fruchtiger. Säfte, Nektar, Schorle liegen voll im Trend. Milch mit Hafer oder auch Kokoswasser gemischt mit Früchten sind most fashionable.

Enjoy a healthy future. Seien Sie ruhig hipp, indem Sie die die trendigen Softdrinks bei Konferenzen und Geschäftsverhandlungen servieren. Cheers! Prosit! Zum Wohlsein!


Mango: Die Lieblingsfrucht der Inder

Bei diesem Anblick läuft einem gleich das Wasser im Mund zusammen. Kunstvoll gestapelt in den Obstläden und auf den Verkaufsständen am Straßenrand, verlockend der Duft und der Geschmack einfach nur Genuss pur: Die Mango – durch nichts zu toppen, die Lieblingsfrucht der Inder.

Mango Chuttney, Mango Pickles, Mangosaft, Mango-Limonade, Mango-Lassi, Mango-Marmelade, Mangos getrocknet oder einfach als Obstsalat – Mango geht immer. Schmackhaft und gesund.

Das Million Dollar Business: Fruchtsaft

Von Jahr zu Jahr wächst die Nachfrage der Inder nach Fruchtsaft, vor allem der nach Mango.

„Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann verzieh dein Gesicht nicht wegen der Säure, sondern mach Limonade daraus. Wenn du Mangos hast, dann verarbeite das Fruchtfleisch“.

So dachte sich Rahoul Jain, dessen Familie eine große Mango-Plantage in der Nähe von Chennai besitzt und ständig Schwierigkeiten hatte, Pächter zu finden.

Food processing – ein Wachstumsmarkt in Indien

Weiterverarbeitung war für ihn das Zauberwort. Er baute gleich neben der Plantage eine Fabrik, um das Fruchtfleisch der Mangos zu verarbeiten. Das war Ende der 1990 Jahre. Dafür investierte er mehr als 300.000 €. Der Umsatz betrug 2013 rund 375 Millionen €. Der jährliche Gewinn liegt nach Angaben des findigen Geschäftsmanns bei 37,5 – 43,7 Millionen €. Heute ist sein Unternehmen Capricorn Food Products India einer der größten Mango verarbeitenden Betriebe Indiens.

Softdrinks boomen in Indien

„Fruchtfleisch, Konzentrat und gefrorene Früchte sind meine Bestseller“, sagt Rahoul Jain. Allein der Markt für Mango-Fruchtfleisch liegt bei  knapp einer Milliarde € pro Jahr und ist schnell wachsend. Hauptabnehmer ist die Getränkeindustrie.

PepsiCo, CocaCola, Unilever, Nestle und Parle Agro kaufen alles auf, was sie kriegen können. „Mein Hauptabnehmer ist PepsiCo. Dahin verkaufe ich etwa 95% meiner Produkte. Wer eine Flasche Slice bestellt – der Mango Softdrink von PepsiCo – hat gute Chancen, Obst von unserer Plantage in seinem Glas zu finden“, sagt der Chef von Capricorn Food.

Maaza, Slice und Frooti sind die bekanntesten Mangodrinks in Indien. Sie sind im Kiransstore (vergleichbar einem Tante Emma Laden) ebenso erhältlich wie im Supermarkt, in der Schulkantine und im 5-Sterne-Restaurant. Indien ist mit 45% Marktanteil weltweit der größte Mango-Produzent. Die meisten Mangos werden im Land selbst verbraucht. Frisch auf den Tisch oder als Chuttney oder Pickles. Es ist der Stolz aller Hausfrauen, hier mit einem ganz besonderen Rezept zu glänzen und die hausgemachten Spezialitäten an Freunde zu verschenken. Nur 5% der Mangos werden industriell weiterverarbeitet und bilden die Substanz für die beliebten Getränke.

Zukunftspläne: Noch mehr Wachstum

200.000 Tonnen Mangos werden bei Capricorn Food jedes Jahr verarbeitet, dazu 50.000 Tonnen Guaven, Papayas und Wassermelonen. Vieles davon geht in den Export.

Jain hat eine neue Idee, um mit seinem Unternehmen weiter wachsen. Die nächste Investition steht kurz vor der Realisierung: Eine Fabrik, die täglich 100 Tonnen Tomaten weiterverarbeiten kann. Tomatenmark, Tomatenstücke in Dosen, Ketchup – auch dieser Markt bietet gute Chancen. Das Konsumverhalten hat sich geändert. Indiens Mittel- und Oberschicht liebt Pasta, Pizza, Wraps und Fast Food. Und ganz klar: Ketchup ist seit Langem schon ein „Must have“ zu allen Burgers und Sandwiches.


Werbung in Indien. Teil 1

Was haben MTV, Coca Cola und PepsiCo gemeinsam? Die Zielgruppe: Jung, cool, hipp, trendsetting. Deshalb haben sich die beiden Getränkehersteller für eine Unternehmenskooperation mit dem Musiksender entschieden. Zu einem einzigen Zweck: Um bei der Zielgruppe zu sein. Bei der Jugend in Indien. An ihrem Lifestyle zu partizipieren und Content zu generieren, der zu ihr passt.

New avenues: Werbung in India – Branded content

2011 startete Coke Studio auf MTV India – eine Musikshow gesponsert von Coca Cola. Verschiedene Musikrichtungen – von klassisch bis zu Volksmusik, von Punjabi Pop, HipHop zu Bollywoodhits, vokal und instrumental – kommen in einer Show zusammen. Dabei hatte Coca Cola bei diesem in Indien neuen Format großen Einfluss auf die Auswahl der Künstler und das Design der Show. Der Musik Mix kam gut an. Die aus dieser Show produzierte CD verkaufte sich super. Drei weitere Shows wurden seither produziert. Debabrata Mukherjee, stellvertretender Marketingleiter für Coca Cola India, sagt: „Durch die Show kommunizieren wir mit unserer Zielgruppe und können zugleich unseren Markenwert und die Popularität steigern.“

Die Rechnung scheint für Coca Cola aufzugehen. Seit 2014 versucht sich Wettbewerber PepsiCo ebenfalls in Partnerschaft mit MTV India in der Musiksparte. Mit einem Invest von ca. 50 Millionen € wurde Pepsi MTV India als neuer Fernsehsender ins Leben gerufen, der verschiedene Musikprogramme, Konzerte und Bühnen-Events ausstrahlt. „Das kann ein College-Festival in Mumbai oder ein Rockkonzert in Darjeeling sein. Wir wollen die Subkultur abbilden, die es in der indischen Musikszene gibt“, sagt Aditya Swamy von MTV, der die Kooperation mit PepsiCo sehr begrüßt. „Sicherlich ist es eine große Herausforderung, täglich 6-7 Stunden gutes Programm zu haben. Unser Ziel ist es, einen Kult zu etablieren!“

Die Werbetrommel schlagen: Smart selling strategy

Zum Kultstatus ist es noch ein weiter Weg. Das wissen die Macher. Indien hat kaum Erfahrung mit dem, was die Werbung „branded content“ nennt. Noch. Aber das ändert sich.

2009 wagte sich Godrej in dieses Geschäft und sponserte auf Star Plus eine Show, bei der die Sieger verschiedene Godrej Produkte gewinnen konnten. Der Hauptgewinn: ein Appartement in einer der Wohnanlagen, die Godrej baut. Spirituosenhersteller Pernot Ricard India investierte in eine Show mit dem Namen Chivas Studio Gentleman’s Code, um rund um Tipps für Dresscode, Knigge-Regeln für den Mann von Welt und alles, was den erfolgreichen Gentleman ausmacht seine Premiummarke Chivas Regal zu promoten.

Warum diese Versuche?

Weil die Marken ins Bewusstsein der Menschen wollen. Und zwar in den Kopf und mitten ins Herz! Ganz genau in die jeweils ausgemachte Zielgruppe. Alle möchten da sein, wo die möglichen Käufer sind. Alle möchten an deren lifestyle partizipieren und deutlich machen, dass sie das passende Produkt haben, um die zu diesem way of living gehörenden Wünsche zu erfüllen.

„Wir sind da, wo ihr unterwegs seid. Wir sind Teil von euch, heißt die Botschaft dahinter. Wir teilen das, was euch wichtig ist.“

Anita Karnik von Mindshare India, ein Unternehmen, das sich auf branded content-Werbung spezialisiert hat, drückt es so aus:

„Heute haben die Konsumenten so viele Möglichkeiten, Inhalte aufzunehmen. Dauernd gibt es von ganz verschiedenen Kanälen Infos und Angebote. Eine Marke, die es übersieht, Inhalt bei ihrer jeweiligen Zielgruppe zu generieren, läuft Gefahr, diese als Kundschaft zu verlieren.“

Die Erfolgsformel der indischen Werbung

Werbespots im TV zu schalten und das Produkt vorzustellen, ist der traditionelle Weg. Produkt plus Promi plus Emotion plus Action funktioniert als Inhaltsformel in Indien. Ein solcher Spot kostet zwischen  625 € und  2500 € pro 10 Sekunden, je nach Positionierung. Ein Nischenkanal – dazu gehört MTV India – verlangt zwischen 10,00 bis 18,00 € und hat den Vorteil, eine ganz bestimmte Zielgruppe zu erreichen.

Wer eine sehr spezifische, genau abzugrenzende Zielgruppe hat, investiert besser in Nischenkanäle. Wer Produkte für jedermann und jederfrau (Waschmittel, Seife, Shampoo, Versicherungen, Fertiggerichte …) hat, der kann seine Spots auf den großen Kanälen zeigen, die ihr Publikum überwiegend mit daily soaps unterhalten.

Und wo sind Sie in Indien mit Ihren Produkten werbemäßig unterwegs? Können Sie sich einen indischen A-Promi leisten für Ihr Produkt?

Im nächsten Blog gibts weitere Infos zum Thema Werbung in Indien.

 

 


Man spricht englisch und denkt indisch! Ein interkulturelles Training hilft besser verstehen

Haben Sie sich schon einmal bei dem Gedanken ertappt, dass Inder einfach doch anders ticken?

Oberflächlich hat sich Indien der westlichen Businessmentalität angepasst und ist auf ein Projektmanagement nach den Vorgaben der führenden internationalen Business Schools trainiert. Trotzdem gilt, dass oftmals und gerade in Krisensituationen die indische Identität zum Vorschein kommt und westliche Kollegen konsterniert fragen lässt, was denn plötzlich los ist.

Kulturwissenschaftlich kann man dabei ins Feld führen, dass Indien in den Jahrhunderten der Fremdherrschaft um des eigenen Vorteils willen gelernt hat, sich anzupassen. Das gilt auch in Bezug auf die Businessmentalität:

Es wird aus den Gepflogenheiten der westlichen Welt das übernommen, was passt und einen Mehrwert verspricht. Mehr jedoch nicht. Das Herz bleibt indisch.

Deshalb gibt es ein geflügeltes Wort: „phir bhi dil mai hindustani“ (After all the heart is Indian!) Oder: Man spricht englisch und denkt indisch!

Daraus lernen wir: Um nachhaltig in Indien Erfolg zu haben, müssen wir den Indern ins Herz schauen. Also nutzen Sie die Gelegenheit dazu. Warum nicht im neuen Jahr mit dem Vorsatz starten:

„Ich will meine Zusammenarbeit mit Indien verbessern und mehr Geschäftserfolg haben!“

„Ich buche ein interkulturelles Training!“

Gesagt, getan! Buchen Sie ein interkulturelles Training und steigern Sie damit Ihren Erfolg. Ein bisserl was geht immer noch besser!

Ich unterstütze Sie sehr gerne mit meiner jahrelangen Erfahrung und helfe Ihnen, noch erfolgreicher als bisher mit Indien Geschäfte zu machen.

  • Sie lernen die indische Businessgepflogenheiten besser verstehen und bekommen wertvolle, sofort umsetzbare Tipps, mit denen Sie Ihre Kommunikation optimieren und Ihre Verhandlungen, Meetings und Konferenzen, Ihr Projekt- und Zeitmanagement effizienter gestalten.
  • Sie schaffen es, Konflikten vorzubeugen und erhalten Ideen für Lösungen, wenn die Zusammenarbeit dennoch einmal schwierig wird.
  • Leadership, Teamaufbau und -entwicklung, Zusammenarbeit in bi-kulturellen Teams sind meine besonderen Kompetenzfelder. Ebenso wie die Vorbereitung auf die Entsendung nach Indien.

Mit höchster Kompetenz, Erfahrung, dem Willen zum Erfolg und Leidenschaft mache ich Sie fit für Ihren Erfolg in Indien.

Auch 2015 freute ich mich über das positive Feedback meiner Kunden und ihren Erfolg in Indien!

Alle Trainings und Coachings sind passgenau auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt und so gestaltet, dass Sie die Tipps sofort in Ihrem Businessalltag umsetzen können.

Rufen Sie mich doch an für ein Beratungsgespräch und ein Angebot für Ihr interkulturelles Training und Coaching Indien. Sie erreichen mich unter 0151-20662744. Oder Sie schreiben mir ein E-Mail: simone@dr-rappel-iku.de.

Ich bin Indien Trainerin mit viel Erfahrung und Herzblut. Mir liegt Ihr Erfolg in Indien am Herzen. Dafür setze ich mich gerne ein. 

 

Simone Rappel

 


Eisgenuss für Schleckermäuler: Nachfrage nach Eiscreme wächst enorm in Indien

Bis vor kurzem warnte die Reiseliteratur für Indien vor dem Genuss von Speiseeis. „Finger weg, sonst werden Sie es bitter bereuen!“ Salmonellen- und bakterienverseucht sei das Eis. Ein verdorbener Magen noch das geringste Übel.

Also ließen wir uns auf unseren Geschäftsreisen nicht verführen. Wir wollten fit für unsere Verhandlungen bleiben.

Das hat sich geändert: Eiscreme-Parlors (= Eisdiele) sind in Indien in. Luxusmarken sind trendy. Mövenpick von Nestlé und Häagen-Dasz aus New York sind im Wettstreit mit indischen Speise-Eis-Produzenten. Kein Wunder, denn der Markt wächst jedes Jahr um knapp 20%. Punkten wollen alle mit ausgefallenen Sorten im hochpreisigen Gourmetbereich.

Probieren lohnt sich. Ich hab es getan und mein Eis schmeckte fantastisch!

Kreationen für den indischen Markt

Prabai’s Fresh & Naturelle Ice Creams aus Kalkutta beliefert ausschließlich Fünf-Sterne-Hotels und Restaurants der gehobenen Klasse. Die 2000 Liter Gourmeteis, die täglich produziert werden – zu Spitzenzeiten sind es 4000 Liter – finden reißenden Absatz. „Ohne künstliche Aromastoffe und ohne irgendwelchen Zusatz“ heißt das Motto von Fresh & Naturelle. „Unser Kakao, den wir verwenden, ist 100% Natur. Normalerweise wird er mit Laugen behandelt und verliert dabei seine Nährstoffe und die Effektivität, freie Radikale einzufangen. Nur 1% des auf dem Weltmarkt überhaupt erhältlichen Kakaos ist natürlich verarbeitet. Genau den wollen wir. Auch wenn es teuer ist. Aber es lohnt sich. Außerdem haben wir ausgefallene Sorten: Sandelholz, Japanischer Grüntee und süsses Paan“, sagt Kunal Pabrai.

Customizing ein absolutes Muss für Indien

„Die Nachfrage ist groß. Inder mögen es süß“, bemerkt Srinivas Kamath von Natural Ice Cream. „Wir wollen, dass unser Eis nicht nur gut schmeckt, sondern auch gesund ist. Deshalb verwenden wir beste Zutaten. Es gibt auch Nachfrage nach fettarmem Eis oder Eis, das weniger Zucker enthält. Wer das will, ist bei uns richtig. Wir haben aber auch Sorten, die es nur bei uns gibt. So machen wir Fruchteis mit dem Obst, was die Saison gerade bietet. Unser Sitapal-Eis zum Beispiel (Apfelsorte mit Vanillegeschmack) verkauft sich bestens. Wir kreieren anlassbezogen mit erlesenen Zutaten für die Festivitäten: Zum Gedenktag von Ganesha haben wir ein Eis mit Bananen, Kokos und Rosinen. Für ein anderes Fest machen wir eines mit Sesam und Erdnüssen. Dafür stehen die Leute dann Schlange.“

Die Verwendung bester und natürlicher Zutaten sowie die Kreation besonderer Sorten sind für das Luxussegment im indischen Eismarkt unverzichtbar. Da muss Nestlé mithalten: für die Saison 2014 gibt es exklusiv ein Sahneeis mit Masala Chai-Geschmack in die Eisdielen – bei Mövenpick heißen sie Boutique. Fruchtsorbets und Sorbet-Speiseeis-Kombinationen sind eine weitere Spezialität, die sich Nestlé für den indischen Markt einfallen ließ. Dazu werden einheimische Früchte der Saison verarbeitet.

Für die Eiscremehersteller in Indien ist es unverzichtbar, den indischen Geschmack ganz genau zu kennen und dafür etwas Außergewöhnliches zu erfinden. Auf Markenbekanntheit allein können sich Mövenpick und Häagen-Dasz nicht verlassen. Sie müssen sich der indischen Kundschaft anpassen und etwas Besonderes bieten.

Vom Glas Milch zum Eis – Weiterverarbeitung von Lebensmitteln im Trend

Doch der Aufwand lohnt: die letzten 5 Jahre ist der Markt für Speiseeis in Indien um jeweils knapp 20% gewachsen. 3.000 cr (= 3,74 Milliarden €) ist das Marktvolumen in der Saison 2013/2014. Im Durchschnitt isst jeder Inder heute 400 ml Eis pro Jahr. 1996 waren es nur 100 ml.

Dazu haben vor allem die veränderten Kosumgewohnheiten der mittleren und höheren Mittelschicht beigetragen. Sie kann es sich leisten, Geld für Eis auszugeben.

Zudem wächst die Zahl derer, die nicht das letzte Geld zusammenkratzen muss, um für die Kinder ein Glas Milch zu kaufen. Der Trend geht bei Lebensmitteln zu verarbeiteten Produkten. Die Produktpalette, die sich immer mehr Haushalte leisten können, erweitert sich: Von der Mango zum Mango-Softdrink, vom Glas Milch zum Eis, von Tomaten als Zutat bei indischen Gerichten zu Tomaten in Ketchup, Pasta, Pizza und Wraps.

Wo gibt es das Eis?

Vertrieben wird das Gourmeteis über die Fünf-Sterne-Hotels und die gehobene Gastronomie sowie über Eisdielen, die hauptsächlich als Franchise geführt werden.

Was kostet die Kugel?

Guter Geschmack kostet. Bei Fresh & Naturelle gibt es die Kugel für zwischen 39 und 79 Rupien (= 0,50 bis 1 €), Natural startet mit 40 Rupien (= 0,50). Mövenpick verlangt für eine Kugel 175 Rupien (= 2,20 €) und Häagen-Dasz nimmt 210 Rupien (= 2,60 €). Meist bleibt es nicht bei einer Kugel. Schließlich möchten die indischen Gourmets mehrere Sorten probieren.

Und die Zukunft?

Die Zukunft wird noch mehr Sorten bringen und die Nachfrage von low fett und less suggar bis hin zu rich dairy cream befriedigen. Hinzu kommt Greek style frozen yoghurt und Gelato. Indien – heute schon der größte Milchproduzent der Welt – wird in ein paar Jahren auch der größte Markt für Speiseeis sein.


The Indian Footprint – Indiens wachsender Schuhmarkt

Bunte Flip-Flops, ausgetretene Plastiksandalen mit Zehensteg, handbestickte Lederschuhe aus dem Punjab im Stil von 1001-Nacht, glitzernde Pailletten und Perlen sorgfältig als Deko auf den Highheals für die Abendgarderobe und vielleicht noch der Gedanke, dass Schuhe, die wir in Deutschland kaufen möglicherweise in Indien gefertigt sind – recht viel mehr an Assoziationen kommen uns zu den Stichworten Indien und Schuhe vermutlich nicht.

Die Barfußnation holt auf! Indien und Schuhe steht für einen riesigen Wachstumsmarkt.

25.000 cr (= 31,25 Billionen €) ist das Volumen, bei einem Wachstum von 15% im Jahr. Indien ist nach China der zweit größte Schuhproduzent weltweit. Der Bedarf im eigenen Land ist groß. Entsprechend drängen internationale Marken auf den Markt und machen den indischen Labels Konkurrenz.

Lessons learnt: Wer in Indien die internationalen Labels kauft, möchte die Modelle der aktuellen Kollektion!

Crocs begann 2002 in Indien und ist eigenen Angaben zufolge seit 2011/2012 jedes Jahr um 200% gewachsen. Verkauft werden die Schuhe hauptsächlich an die Kundschaft der gehobenen Mittelschicht über online-Portale. Nissan Joseph, der für Crocs in Indien verantwortlich ist, sagt, dass der indische Markt die international gängigen Modelle haben möchte.

„Wir sind mit unserer Strategie der Marktanpassung gescheitert. Denn die Kundschaft wollte die Modelle nicht, die wir eigens für Indien designten. Sie wollten die Schuhe, die sie aus Amerika kannten und zwar aus der aktuellen Kollektion. Seit wir das erkannten, sind wir in Indien auf Erfolgskurs. Bald wird Indien unter den TOP 10 unserer wichtigsten Länder sein.“

Die Schuhe von Crocs kosten zwischen 1.400 Rupien (= 17,50 €) und 7.000 Rupien (= 87,50 €). Neben dem online-Handel gibt es derzeit 35 exklusive Crocs Schuhländen. Ihre Anzahl soll bald verdoppelt werden. Außerdem ist Crocs in mehr als 400 Schuhgeschäften erhältlich, die Modelle unterschiedlicher Marken anbieten.

Lernen von den Besten!

Sehr erfolgreich ist das britische Label Clarks. „Wir starten unsere neuen Modelle zeitgleich in allen Ländern. Seit unserem Markteintritt in Indien sind wir erfolgreich. Allein in den letzten 2,5 Jahren haben wir mehr als 400.000 Paar Schuhe verkauft. Unsere Schuhe sind eher klassisch, kein extravaganter Schnickschnack und wir haben etwas weiter geschnittene Modelle, die von indischen Männern gut nachgefragt werden. Unsere Konkurrenz ist eifrig hinterher, unsere halben Nummern zu kopieren, die Teil unseres USPs sind“, sagt S. Ramprasad, CEO von Clarks Future Footwear.

Bisher gibt es 50 Clarks-Stores in Indien. Hauptkunden sind hier die Frauen. „Sie möchten probieren, vergleichen, anschauen. Bestseller in den Geschäften sind bunte Sandalen“, verrät er. Der Kundenservice steht in den Clarks-Outlets an erster Stelle. „Unsere Verkäuferinnen sind geschult. Wir schicken unser Personal aus England nach Indien, damit die indischen KollegInnen jederzeit über die neuesten Modelle und Produktlinien Auskunft geben können. Schließlich soll sich unsere Kundschaft gut beraten wissen.“

Bata India’s footwear hat sich von 1.000 cr (= 1,25 Milliarden €) Umsatz im Jahr 2008 auf 2.000cr (= 2,5 Milliarden €) im Geschäftsjahr 2013/14 verdoppelt. Dazu hat vor allem die Markenbekanntheit beigetragen und die Erweiterung der Produktpalette. Viele Bata-Shops wurden renoviert, haben ein neues Interieur bekommen und führen neben Schuhen nun auch Taschen, Sonnenbrillen, Gürtel und andere Accessoires.

Neben den internationalen Marken etabliert sich eine Vielzahl indischer Schuhhersteller. Ihre Vorteile: günstiger Preis, gute Qualität, Verkauf über den online-Handel und Shops sowie das Wissen um den Indian Footprint.

Frauen und Schuhe

Das lässt die Herzen vieler Frauen der gehobenen Mittelschicht höher schlagen: Sich einige Paar Schuhe bequem nach Hause schicken zu lassen und dort in aller Ruhe zu probieren. Der boomende E-Commerce macht es möglich! Internetdealer wie Myntra und Yepme pushen den Verkauf einheimischer Markenschuhe. Yepme erwartet, dass das online-Portal 2014 etwa 50% des Umsatzes über den Verkauf von Schuhen machen wird. Damenschuhe kosten zwischen 149 und 899 Rupien (= 1,86 und 11,23 €). „Wir verkaufen täglich 5.000 Paar Männerschuhe und 2.000 Paar Damenschuhe“, sagt Mitgründer und CEO Vivek Gaur.

Bequem, gute Qualität, bunt, modisch chic und günstig sollen sie sein

Liberty Shoes mit einem Umsatz von 500 cr (= 625 Millionen €) in 2013/14 setzt auf modischen Chic. Täglich werden 50.000 Paare Schuhe verkauft. Das macht 11,5 Millionen verkaufte Paar Schuhe. Bei 1,2 Milliarden Indern ist da noch Luft nach oben. Jedes Jahr werden 50 neue Geschäfte eröffnet. Für die Geschäfte hat sich Liberty etwas Besonderes einfallen lassen: Sie duften nach weißem Tee mit Ingwer und Fruchtgeschmack. „Das überdeckt den Ledergeruch, den viele unserer Kunden nicht mögen. Außerdem regen Aromen die Sinne an und beeinflussen Gefühle“, bemerkt CEO Adesh Gupta.

Reliance Footprint möchte die Nummer 1 in Indien werden. Dazu setzt das 2007 gestartete Unternehmen vor allem auf Schuhgeschäfte. In 165 Läden, die verschiedene Marken anbieten, gibt es die günstigen Schuhe. 174 Läden verkaufen ausschließlich Reliance Footprint-Schuhe.

„Unser Ziel ist es, jedes Jahr 50 neue Geschäfte zu eröffnen. Außerdem verkaufen wir zu einem günstigen Preis. Unsere Modelle kosten 15-20% weniger als die der Konkurrenz. Unsere Zielgruppe sind die Käufer, die einen guten, komfortablen und modischen Schuh zu einem günstigen Preis haben wollen. Wir rechnen damit, dass wir jedes Jahr um 40-50% zulegen“, sagt CEO Gopalkrishnan Shankar zuversichtlich.

Angst, dass seine Wachstumsstrategie nicht aufgehen könnte, hat er nicht. Denn er sieht einen ganz gewaltigen Vorteil der indischen gegenüber den internationalen Marken: „We have the Indian Footprint!“


Arbeitsmarkt Indien: Talentsuche und Zukunftsbrachen

Eine Million Indern drängt Monat für Monat auf den Arbeitsmarkt. So die Statistik. Und das für die nächsten 20 Jahre. Quantität heißt aber noch lange nicht Qualität, stellen Unternehmen immer wieder fest. Selbst der Nachweis eines erfolgreich abgeschlossenen Studiums bedeutet nicht selbstverständlich, dass der- oder diejenige im Job gut ist und effizient arbeitet.

Talentpool: Sie Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen

Dass die demografische Dividende, von der Indien spricht – viele qualifizierte und ambitionierte junge Leute, die im Job durchstarten möchten – nicht automatisch zutrifft, machen nicht nur ausländische Unternehmen, sondern auch indische. Ihnen geht es nämlich nicht besser. Alle suchen nach Talenten und verlässlichen Mitarbeitenden.

„Keine Firma will für die Ausbildung der Mitarbeiter zahlen, gibt aber bereitwillig eine extra Prämie für gute Kenntnisse und Berufserfahrung. Auf der anderen Seite ist es für Arbeitssuchende sehr schwierig, Kredite für Aus- und Weiterbildung zu bekommen. Um sich zu qualifizieren nehmen sie kein Geld in die Hand, zahlen aber, um einen Job zu bekommen“. Mit diesem markanten Statement fasst Manish Sabharwal von TeamLease die Situation zusammen.

Trained candidates – Eine Rarität

Beim Business Breakfast, zu dem ein renommiertes indisches Wirtschaftsmagazin nach Bangalore geladen hat, sprachen die CEOs und Personalvermittler Klartext.

„So gut wie wir immer tun, steht es nicht um unseren Talentpool. Dass wir in Indien viele junge Leute haben, ist eben nicht genug. Wir müssen sie auch fit für den Job machen. Außerdem müssen wir ein positives Bild von Facharbeitern vermitteln. Nicht jeder kann im Büro arbeiten. Wir brauchen Leute, die in den Fabriken an Maschinen arbeiten. Das wird oftmals als niedrige Arbeit angesehen, die niemand machen will. Dieses tiefsitzende Denken müssen wir überwinden.“ 

Rolle rückwärts: Der Sprung ins Industriezeitalter

„Make in India“, heißt die Kampagne der indischen Regierung. Denn Indiens Wirtschaft braucht dringend mehr industrielle Fertigung, um zu wachsen. „Nur so kommen wir voran und können vielen Menschen einen adäquaten Arbeitsplatz mit einem attraktiven Gehalt bieten. Fabriken zu bauen ist mit viel Schwierigkeiten verbunden: Landakquise, der Aufbau der Infrastruktur, die Bürokratie. Es gleicht einem Hindernislauf. Deshalb verlieren viele den Mut“, sagt Aromar Revi vom Indian Institute for Human Settlements.

Indien ist von einer Agrarkultur mit einem hohen informellen Sektor gleich in den dritten Sektor der Dienstleistungen gesprungen: IT und Callcenter sind dafür die Signalworte. Nun ist gewissermaßen die Rolle rückwärts angesagt. Vom tertiären in den sekundären, von der Dienstleistung zur industriellen Fertigung.

New avenues: Zukunftsbranchen

Arbeitsplätze müssen auch in der Fläche geschaffen werden. „Es muss Industrieansiedelungen auch in kleineren Städten geben. Potenzial sehe ich für die Zukunft vor allem im Bereich von Elektrogeräten. Warum sollen wir nicht anfangen, für unseren eigenen Markt im eigenen Land zu produzieren. Die Nachfrage nach TV-Geräten, Kühlschränken, Gefriertruhen, ACs, Mikrowellen, Toastern, Waschmaschinen usw. ist riesig. Wenn wir es versäumen, in diesen Bereich zu investieren, dann müssen wir 2025 Elektrogeräte im Wert von 300 Milliarden US-$ importieren. Das ist dreimal so viel wie unser derzeitiger IT-Markt. Wann legen wir endlich los?“, fragt Sanjay Nayak von Tejas Networks.

Sanjay Murdeshwar von AstraZeneca Pharma sieht große Wachstumschancen in der Pharmabranche. „In den nächsten Jahren laufen viele Patente aus. Indien ist derzeit schon der größte Generikahersteller. Wir könnten viele Medikamente von Indien aus für den Weltmarkt herstellen. Dazu brauchen wir qualifiziertes Personal. Nicht nur in der Forschung und im Labor, sondern vor allem auch in der Herstellung der Pharmazeutika, der Verpackung, im Marketing und im Versand. Das sind sichere und attraktive Arbeitsplätze, für die wir Menschen mit ganz unterschiedlichen Fertigkeiten brauchen.“

Elektrogeräte, Pharma, industrielle Fertigung, Tourismus und Hotellerie werden als Zukunftsbranchen benannt.

„Indien muss mehr bieten als nur IT“, stellt T.K. Kurien von Wipro kritisch fest. „Denn künftig werden einfache IT-Aufgaben automatisiert oder in Länder ausgelagert, die diese Dienstleistung billiger anbieten. Wir müssen uns breiter aufstellen.“