Business Culture Indien

Interkulturelle Kompetenz ist der Schlüssel zu internationaler Unternehmensfitness


Swastika – Sonnensymbol, tanzender Shiva oder Hakenkreuz?

Wer das weiß, ist im Vorteil

Entsetzen ruft das Hakenkreuz hervor, das in Indien als dekoratives Element auf Saris ebenso verwendet wird, wie zur Gestaltung von Fenstern oder Befestigungsmauern und Gartenzäunen.

Dieses Symbol hat nichts mit nationalsozialistischer Ideologie zu tun, sondern ist seit vielen tausend Jahren in Indien ein Glückszeichen.

In Indien ein Glückszeichen

Einer Deutung nach ist swastika die schematische Darstellung des Gottes Shiva, der im Tanz die Welt erschafft und Freude hervorbringt. Einer anderen Interpretation nach ist es das Rad der Sonne, die Licht und Wärme bringt und als Glückszeichen angesehen wird.

Viele Inder, die bereits mit deutschen Geschäftspartnern Erfahrung haben, wissen um die Interpretationsschwierigkeit und können die irritierten Blicke ihrer deutschen Counterparts einsortieren, wenn diese ein „Hakenkreuz“ entdecken.

Andere wiederum, die zum ersten Mal mit Deutschen zusammenarbeiten, ahnen möglicherweise überhaupt nicht, dass dieses Zeichen Unbehagen auslösen könnte und entsprechend geschichtlich besetzt ist. Denn in Indien ist es ganz eindeutig: positiv. Glück. Nichts anderes.

Nicht zur Nachahmung empfohlen

Einer meiner Kunden erzählte mir von der Segnung der neuen Geschäftsautos. Die Inder hatten darauf bestanden, dass ein Brahmane kommt und die neuen Autos segnet. Eine schöne Feier sei es gewesen, bis….

der Priester mit gelben und orangen Blütenblättern ein großes Hakenkreuz auf die Kühlerhaube streute. Wunderbar, für die Inder. Die Fotoapparate der Inder klickten eifrig. …  Super Szene. Alles paletti. Mit dem Auto könne nun nichts mehr schief gehen. Schließlich sei es gesegnet. Der deutsche Geschäftsführer hatte alle Hände voll zu tun, die Veröffentlichung dieser Fotos zu unterbinden. Was wäre das für ein fetter Skandal. Was für ein Imageschaden.

Sie können aus diesem Beispiel lernen, dass es gut ist, sich vorher mit den Geschäftspartnern über die Symbole abzustimmen und darauf hinzuweisen, dass ein Hakenkreuz in Deutschland ganz andere Assoziationen hervorruft als Glück. Erklären Sie den Kontext und gehen Sie nicht davon aus, dass die Geschichte des Dritten Reichs in Indien überall bekannt ist.

Symbole sind nicht immer gleich besetzt. Vorsicht ist angeraten. Besser ist es, vorher nachzufragen als hinterher das Nachsehen zu haben. Denn in der Begegnung der Kulturen kommt es oft genug vor, dass scheinbar Selbstverständliches nicht selbstverständlich ist.

 


Lese-Tipp: Delhi. Im Rausch des Geldes

„Mir wird klar, wie sehr mein Dasein inzwischen von der Enge meiner Wahlheimat bestimmt ist. Diese Metropole, in der alles riesig ist, bietet kaum Gelegenheit, weiter zu sehen als auf die andere Straßenseite. Alles ist verstellt. Die Augen verlernen es, auf Unendlich zu fokussieren.“

Ein Unendlich gibt es allerdings. Das unendlich viele Geld in den Händen der Superreichen Delhis, von denen dieses Buch erzählt. Es gibt einen spannenden und kurzweiligen Einblick in die Glitzerwelt der Multimillionäre der Hauptstadt. Gezählt wird in Dollar, nicht in Rupien.

Entstanden ist dieses Buch aus Interviews mit den Akteuren des Geldes. Den alten Geschäftsleuten, die es mit viel Know how, Disziplin, Sparsamkeit, dem Wertekodex des „ehrbaren indischen Kaufmanns“ und vor allem dem richtigen Gespür für gute Netzwerke und deren intensiver Pflege zu Millionen gebracht haben und den Erben dieser Imperien, auf denen der Anspruch lastet, aus dem vielen Geld noch unendlich viel mehr zu machen.

„Change keeps boring away“ – so der Werbeslogan für eine Shoppingmall in Delhi. Wenn auch sprachlich nicht korrekt, ist er doch typisch für die Welt der Superreichen. Der Unterschied zu den normal Reichen liegt darin, dass diese in den Malls nur shoppen, die Superreichen sie hingegen besitzen.

So funktioniert die Welt der Superreichen in Delhi

Schrille Partys mit viel Alkohol und Koks, Männerrunden in Fünf-Sterne-Hotels und Edel-Clubs, nächtliche Autorennen der jungen Geschäftsleute in ihren Lamborghinis und Bentleys im Diplomatenviertel, über die sich der frühere Premierminister Manmohan Singh mehrfach vergeblich beschwert hat, weil sie seine nächtlich Ruhe stören, Beziehungspflege, die unter anderem mit gut gefüllten Geldkoffern erfolgt und die Möglichkeiten derer, die sich alles leisten können, ohne auch nur einen Handstrich zu arbeiten.

Dasgupa erzählt feinsinnig und hintergründig von der täglichen Langeweile, die er erlebt hat, der Öde in den Super-Luxus-Villen voll mit exklusiven Designer-Interieurs und bisweilen geschmackloser Opulenz, den gescheiterten Ehen und zerbrochenen Familien, dem Druck, sich vor dem mächtigen Familienclan als erfolgreich zu beweisen, den Ängsten und schlaflosen Nächten, die die tägliche Risikobereitschaft begleiten, Millionen zu investieren und sie eventuell zu verlieren, und den Eskapaden, all dem zu entkommen.

Zum alten Geldadel Delhis kommen die neuen Reichen, die durch Tricks und Gaunereien ein Stück vom Kuchen abhaben möchten. Die vielen Staatsbeamten zum Beispiel, die man braucht, um die Deals in großem Stil schnell und reibungslos abzuwickeln. Die über Insiderwissen verfügen und das bereitwillig gegen eine kleine Beteiligung am Erfolg verraten: sei es die Gewinnziffer bei einer Lotterie vor ihrer offiziellen Bekanntgabe, so dass Mittelsmänner im ganzen Land noch schnell alle Lose mit dieser Endziffer aufkaufen und damit einen Reibach machen, sei es die Bebauungsordnung, aus der hervorgeht, welche Grundstücke demnächst Bauland werden.

Geschmiert werden müssen auch die Polizisten, die gerne ein Auge zudrücken, dafür aber die Hand aufhalten, wenn gegen geltendes Recht verstoßen wurde. Ein Glied fügt sich in dieser Kette geschmeidig an das andere. Nur so ist zu erklären, dass brutale Schlägereien und Schießereien in angesagten Bars, Gewalt an Prostituierten und Verkehrsdelikte der reichen Jungs stillschweigend unter den Teppich gekehrt werden.

Das System funktioniert und viele der jungen Leute, die aus einflussreicher Familie kommen, geben ungeniert damit an: „Ein Anruf meines Vaters genügt und…“ Tatsächlich, meist reicht er und regelt alles.

Die ultimative Formel des Erfolgs – Vitamin B

Es gibt ganz unterschiedliche Strategien, die hinter dem Erfolg der Reichen stehen: Harte Arbeit, Disziplin, Sparsamkeit, den richtigen Riecher für ein gewinnträchtiges Geschäft, ein stattliches Vermögen und der entsprechende Name, der kreditwürdig macht, dicke Schwarzgeldkonten, die das Geschäft am Laufen halten, unerbittliche Rücksichtslosigkeit gegenüber den Habenichtsen, auf deren Kosten mein Gewinn geht. Für alles gibt es hinreichende Beispiele in diesem Buch.

Vor allem aber zählt eines, die richtige community, das gute Netzwerk, das brisantes Wissen kommuniziert. Gepflegt mit 100en von Partys, Einladungen für dies und das, dem Erweis gegenseitiger Nettigkeiten….

Wichtig ist, wer wen kennt, der wiederum einen anderen kennt, der wichtig ist. Netzwerken und Beziehungspflege ist in der Welt der Superreichen alles. Insiderwissen geteilt in der eigenen Community. Kooperationen, um das richtig große Geld zu machen. Dasgupta bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Ich netzwerke, also bin ich“.

Was sonst noch zum Erfolg der Superreichen gehört und wie aus viel noch mehr wird, können Sie in Rana Dasguptas sehr empfehlenswertem Buch „Delhi. Im Rausch des Geldes“ nachlesen. Bravourös erzählt, differenziert, hintergründig. Ein Buch, das neugierig macht und zum Nachdenken anregt. Teils provokant mit ganz eigenen Thesen über das Wesen und den Lifestyle des nordindischen Mannes und in jedem Fall eine Steilvorlage für alle, die mehr über die indische Kultur heute lernen möchten und erfahren wollen, wie superreich in Delhi so lebt. Doch Vorsicht: Das Lesen dieses Buches erfordert einen Invest in Zeit. Nichts zum Überblättern und mal eben schnell Hineinschnuppern im Flieger.

Hervorragend übersetzt aus dem Englischen von Barbara Heller und Rudolf Hermstein, erschienen bei Suhrkamp. ISBN 978-3-518-42457-5

Preis: 24,95 €


Man spricht englisch und denkt indisch! Ein interkulturelles Training hilft besser verstehen

Haben Sie sich schon einmal bei dem Gedanken ertappt, dass Inder einfach doch anders ticken?

Oberflächlich hat sich Indien der westlichen Businessmentalität angepasst und ist auf ein Projektmanagement nach den Vorgaben der führenden internationalen Business Schools trainiert. Trotzdem gilt, dass oftmals und gerade in Krisensituationen die indische Identität zum Vorschein kommt und westliche Kollegen konsterniert fragen lässt, was denn plötzlich los ist.

Kulturwissenschaftlich kann man dabei ins Feld führen, dass Indien in den Jahrhunderten der Fremdherrschaft um des eigenen Vorteils willen gelernt hat, sich anzupassen. Das gilt auch in Bezug auf die Businessmentalität:

Es wird aus den Gepflogenheiten der westlichen Welt das übernommen, was passt und einen Mehrwert verspricht. Mehr jedoch nicht. Das Herz bleibt indisch.

Deshalb gibt es ein geflügeltes Wort: „phir bhi dil mai hindustani“ (After all the heart is Indian!) Oder: Man spricht englisch und denkt indisch!

Daraus lernen wir: Um nachhaltig in Indien Erfolg zu haben, müssen wir den Indern ins Herz schauen. Also nutzen Sie die Gelegenheit dazu. Warum nicht im neuen Jahr mit dem Vorsatz starten:

„Ich will meine Zusammenarbeit mit Indien verbessern und mehr Geschäftserfolg haben!“

„Ich buche ein interkulturelles Training!“

Gesagt, getan! Buchen Sie ein interkulturelles Training und steigern Sie damit Ihren Erfolg. Ein bisserl was geht immer noch besser!

Ich unterstütze Sie sehr gerne mit meiner jahrelangen Erfahrung und helfe Ihnen, noch erfolgreicher als bisher mit Indien Geschäfte zu machen.

  • Sie lernen die indische Businessgepflogenheiten besser verstehen und bekommen wertvolle, sofort umsetzbare Tipps, mit denen Sie Ihre Kommunikation optimieren und Ihre Verhandlungen, Meetings und Konferenzen, Ihr Projekt- und Zeitmanagement effizienter gestalten.
  • Sie schaffen es, Konflikten vorzubeugen und erhalten Ideen für Lösungen, wenn die Zusammenarbeit dennoch einmal schwierig wird.
  • Leadership, Teamaufbau und -entwicklung, Zusammenarbeit in bi-kulturellen Teams sind meine besonderen Kompetenzfelder. Ebenso wie die Vorbereitung auf die Entsendung nach Indien.

Mit höchster Kompetenz, Erfahrung, dem Willen zum Erfolg und Leidenschaft mache ich Sie fit für Ihren Erfolg in Indien.

Auch 2015 freute ich mich über das positive Feedback meiner Kunden und ihren Erfolg in Indien!

Alle Trainings und Coachings sind passgenau auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt und so gestaltet, dass Sie die Tipps sofort in Ihrem Businessalltag umsetzen können.

Rufen Sie mich doch an für ein Beratungsgespräch und ein Angebot für Ihr interkulturelles Training und Coaching Indien. Sie erreichen mich unter 0151-20662744. Oder Sie schreiben mir ein E-Mail: simone@dr-rappel-iku.de.

Ich bin Indien Trainerin mit viel Erfahrung und Herzblut. Mir liegt Ihr Erfolg in Indien am Herzen. Dafür setze ich mich gerne ein. 

 

Simone Rappel

 


Inhabergeführte Unternehmen – Indiens Creamy layer

50% der Top 50-Unternehmen in Indien sind inhabergeführt. Blickt man auf die 500 besten Unternehmen sind es 70%, weitet man den Fokus auf die besten 1000 dann sind es sogar 80%.

Ein eindeutiges Ergebnis: Business in Indien ist Family Business!

Tata, Birla, Ambani, Godrej sind nur einige der mächtigen und einflussreichen Namen, die für die indische Wirtschaft stehen. Klar, dass auch die nächste Generation Verantwortung für das Unternehmen übernehmen soll.

In den Startlöchern!

Dazu braucht es eine gute Vorbereitung. Sehr viele der Erben und zukünftige Wirtschaftsbosse verfügen über Studienabschlüsse und fachliche Qualifikationen, die für ihre Branche relevant sind. Manche davon sind im Ausland erworben. Allen voran USA, Kanada und England. Doch das allein genügt nicht. Schließlich soll der Nachwuchs bestens gerüstet sein, um das eigene Unternehmen in eine prosperierende Zukunft zu führen.

Indische Business Schools haben sich für die zukünftigen Chefs und Chefinnen ein besonders Studien-Programm einfallen lassen. Ausbildung nur für die Erben der Wirtschaftsdynastien! Zwischen 16-18 Monate dauern solche Kurse, die im Blockunterricht angeboten werden, damit den jungen Führungskräften genügend Zeit bleibt, um ihre beruflichen Aufgaben zu erfüllen. Das S.P. Jain Institute of Management & Research in Mumbai startete 1997 mit nur 16 Studierenden im Postgraduierten-Programm. Heute sind es über 300.

„Niemand von uns muss nachher einen Job suchen. Deshalb stehen nicht die Noten im Vordergrund. Wir lernen, um unser eigenes Unternehmen weiterzubringen. Mir ist es besonders wichtig, dass ich trainiere, gute und richtige Entscheidungen zu treffen und lerne, offen für Innovation zu sein“, sagt der künftige Inhaber eines Verlags, der Schulbücher und andere Lehrmittel erstellt.

„Ich finde es äußerst positiv, dass wir unter uns sind. Wir alle haben in Zukunft Verantwortung für die Unternehmen, die unsere (Ur-)Großeltern oder Eltern gegründet haben. Wir möchten nicht diejenigen sein, die die Firma in die Pleite führen. Wir können unseren Unternehmen auch nicht einfach den Rücken kehren, wenn es uns nicht passt. Schließlich sind wir selber verantwortlich und müssen den richtigen Kurs bestimmen“, findet Preety Gupta. Sie wird einmal an der Spitze eines Unternehmens in der Chemiebranche stehen.

Lehrplan für die Erben

Günstig sind die Programme nicht. Zwischen 9 und 33 lakh sind die Kosten. Umgerechnet zwischen knapp 15.000 und 450.000 €. Das teuerste Angebot schließt Studien an der renommierten Kellogg School of Management in den USA sowie Aufenthalte in Afrika, Europa und China ein. Dafür ist der Lehrplan ganz auf den speziellen Bedarf der inhabergeführten Unternehmen abgestimmt. Dies ist der wesentliche Unterschied zu den herkömmlichen MBA-Studiengängen.

Die Nachfrage ist riesig, weshalb immer mehr Programme verschiedener Universitäten und Business Schools auf den Markt kommen.

Exzellente Ausbildung ist das eine, das auf die Führungsverantwortung im eigenen Unternehmen vorbereitet. Die guten Kontakte zu Kommilitonen, die alle selbst einmal ihr Familienunternehmen leiten werden, der grandiose Nebeneffekt. Hier findet Netzwerken auf höchstem Niveau im Inner-Circle der indischen Wirtschaft statt. Eine Chance, die sich die künftigen Erben kaum entgehen lassen.

 (Umrechnungskurs 60 Rupien = 1 Euro).


„Step in“ – Frauen gehen bei indischen Unternehmen in Führung

14% Frauen sind im Senior-Management. 66% aller indischen Unternehmen bieten Frauen flexible Arbeitsbedingungen. Diese beiden Zahlen laden ein, näher auf das Personalmanagement und die Rolle der Frauen in der indischen Wirtschaft hinzuschauen.

Heinz, der uns vor allem als Ketchup-Produzent bekannte amerikanische Nahrungsmittelhersteller, Colgate-Palmolive, Kellogg’s, Shell, Diageo – bekannt als Getränkehersteller u.a. von Guinness und Johnnie Walker – haben eines gemeinsam: ihre indischen Niederlassungen werden von Frauen geleitet.

Dazu kommt, dass vor allem der Bankensektor Frauen in Spitzenpositionen hat: Chanda Kochhar ist CEO der ICICI-Bank, Naina Lal Kidwal leitet HSBC India, Shikha Sharma ist Chefin der Axis-Bank, Arundhati Bhattacharya führt die State Bank of India, Vijayalakshmi Iyer steht an der Spitze der Bank of India, Shubhalakshmi Panse ist Vorstandsvorsitzende der Allahabad Bank und Archana Bhargava leitet die United Bank of India. Damit sind Anfang 2015 sieben Spitzenpositionen in der indischen Finanzwelt von Frauen besetzt.

Dieses Ergebnis lässt aufhorchen.

Was steht dahinter? Woher kommt es?

Wie nahezu überall auf der Welt und ihren patriarchalisch verfassten Gesellschaften gingen Frauen im Erwerbsleben zunächst „typischen“ weiblichen Berufen nach: Sie wurden Krankenschwester und Ärztin, Lehrerin, suchten sich eine Anstellung bei Behörden oder machten eine Banklehre. All das galt als sicheres Terrain für Frauen. Die Arbeitsfelder waren die Fortsetzung dessen, was sie klassischerweise zuhause taten: sich um die Familie kümmern, kranke Mitglieder versorgen, Kinder erziehen und das Geld zusammenhalten.

Mit der Zeit professionalisierten Frauen ihr Können, erwarben Expertise und sind heute aus dem Kontext der Erwerbsarbeit in Indien nicht mehr wegzudenken. Unternehmen gaben ihnen eine Chance, indem sie die Arbeitsbedingungen frauen- und familienfreundlicher gestalteten. So konnten immer mehr Frauen trotz und mit Familienzeit Karriere machen und irgendwann in die Spitzenpositionen kommen.

„Karriere zu machen, braucht Zeit“

Chanda Kochhar, seit vielen Jahren Chefin der ICICI-Bank, benennt als eine der förderlichen Bedingungen: „Frauen haben verstärkt vor 20 und 30 Jahren angefangen, ins Berufsleben einzusteigen und sind nach ihrer Familienzeit mit kleinen Kindern wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. Sie bringen jetzt viele Jahre Berufserfahrung mit, haben sich mit ihren Fähigkeiten und ihrem Können unentbehrlich gemacht, so dass sie in Spitzenpositionen kommen. Karriere braucht Zeit und ein Arbeitsklima, das die Familienphase berücksichtigt. Jetzt können wir die Saat, die vor so vielen Jahren ausgestreut wurde, ernten. Frauen sind an der Spitze angekommen.“

„Eine Chance geben und von den Vorzügen der Frauen profitieren“

Ganz wichtig ist, dass die Unternehmen Frauen an der Spitze wollen und dies entsprechend fördern. Naina Lal Kidwal hat selbst erfahren, dass ein Ruck durch das Denken in der Unternehmensleitung gehen muss. „Es braucht die Weichenstellung, dass wir Frauen tatsächlich an der Spitze gewollt sind. Wir haben einen anderen Führungsstil, wir sind aufmerksamer, stress-resistenter, uns ist es ein Anliegen, andere zu fördern, wir konzentrieren uns auf die Inhalte und wollen die Sache voranbringen. Diese und andere Vorzüge haben im Unternehmen überzeugt. Aber es dauerte seine Zeit, bis diese Eigenschaften und dieser Stil geschätzt werden konnten. Indische Firmen mussten das erst lernen und selbst positive Erfahrungen sammeln.“

Ein Ratschlag für alle Businessfrauen:

„Don’t drop out of workforce“, ist der Rat, den Abanti Sankaranarayanan, Chefin von Diageo India, allen Frauen gibt. „Es gibt Zeiten, in denen die Familie an oberster Priorität steht und das Engagement im Beruf zurückgefahren werden muss. Aber tut eins nicht: Hört niemals auf zu arbeiten. Bleibt an Bord. Nehmt für eine gewisse Zeit Jobs, die etwas weniger Verantwortung erfordern. Aber hört nicht auf, im Berufsleben zu stehen.“

Datenquelle: Grant Thornton’s International Business Report, Boston Consulting Group & Government of India


Erfolgsregeln in der indischen Geschäftswelt

Über die Marwaris und die Geheimnisse ihres wirtschaftlichen Erfolgs

Birla, Piramal, Goenka, Mittal, Seth – um nur einige Familien zu nennen, die in der indischen Wirtschaft ganz oben sind, haben eines gemeinsam: Sie gehören zur Milliarden schweren Community der Marwaris.

Nahezu zwei Drittel der indischen Milliardäre, die Forbes jedes Jahr listet, gehören zu einer der großen Businessfamilien. Nicht wenige davon zu den Marwaris, deren Erfolg legendär ist.

Wer sind die Marwaris und was ist das Rezept ihres Erfolgs?

Die Marwaris kommen aus West-Rajasthan, aus der Gegend um Shekawati. Das liegt in der Nähe der traditionellen Handelsroute Jaipur – Delhi. In der Vergangenheit wie heute eine der wichtigsten Handelswege in Indien. Sie dominierten den Handel in ganz Nord-Indien und siedelten sich bald in der Ganges-Yamuna Region an. Von dort gingen sie bald bis nach Bengalen. Der Bazaarhandel lag über viele Generationen ganz in den Händen der etwa 300.000 Familien großen Businesscommunity der Marwaris.

Sie handelten mit Jute, Opium, Baumwolle, Textilien und spekulierten an den Börsen. Sie waren die Bankiers der Herrscher und verliehen Geld. Man sagt ihnen in Indien nach, dass sie den siebten Sinn für ein gutes Geschäft hätten. Wo sie investieren, geht es selten schief. Die Marwaris waren lange Zeit sozusagen die Warren Buffets Indiens. Ihre Businesserfahrung sprach sich schnell herum. Sie bestimmten durchaus risikofreudig, wo es wirtschaftlich lang geht, wie das Sprichwort sagt: „You don’t want to compete against a Marwari!“

Fünf Schlüssel des Erfolgs in der indischen Businesscommunity

  1. Auf das Wort eines Kaufmanns muss Verlass sein. Sein Wort gilt. So auch bei den Marwaris. Vertrauen ist die Grundlage für gute Geschäfte. Was ein Marwari verspricht, das hält er zuverlässig ein (sakh = Vertrauen). So war es über Jahrhunderte lang in Indien üblich, bargeldlos zu zahlen. Gehandelt wurde über sog. Hundi, eine Art Scheck, mit dem der Verkäufer in jeder x-beliebigen indischen Stadt die unterzeichnete Summe abholen konnte, ohne das Risiko des Bargeldtransfers auf den langen Handelswegen zu haben.
  2. Der zweite Schlüssel zum Geschäftserfolg ist die Präsenz, man könnte auch sagen, die visibility, im Markt. Das geht ganz einfach. Jeden Tag sitzt der Händler in seinem Geschäft auf einer Matratze (= gaddi), die mit einem weißen Tuch überzogen ist. Das ist heute noch in den indischen Bazaars zu sehen. Von morgens bis Abends ist er da. Er redet mit den Leuten, verhandelt Preise, ist ansprechbar. Neben sich den wichtigsten Angestellten, den Bookkeeper, der alle Geschäfte detailliert notiert. Der Eigentümer arbeitet. Auch wenn er es sich leisten könnte, sich auf seinem Reichtum auszuruhen, wird er das nicht tun. Denn: „The footprint of the owner is the best fertilizer!“ Er geht mit gutem Beispiel voran und motiviert dadurch seine Angestellten. Seine Arbeit ist die Messlatte. Entsprechend auch der Führungsstil: „Delegate but monitor!“
  3. Die Marwaris verliesen Rajasthan, um Handel zu treiben. Wo sie hinkamen, errichteten sie ein Hotel, d.h. einen Schlaf- und Essensplatz, an dem man sich treffen konnte, um sich auszutauschen. Der Begriff dafür ist Basa. Eine Infobörse vom Feinsten. Hier wird networking betrieben, hier werden die neuesten Geschichten von den Handelswegen erzählt, über Trends geredet, Empfehlungen oder auch Warnungen ausgetauscht. Man ist unter sich. Marwaris halten zusammen trotz Wettbewerb. Neulinge konnten erste Erfahrungen sammeln und sich der Unterstützung der Businesscommunity sicher sein. Man kennt sich und hilft sich. So werden die Marwaris stark. Ganz opportun ist es auch, dass Geld zu Geld heiratet. Die Tochter eines reichen Marwaris zu heiraten, ist eine ganz unanstößige strategische Businessplanung.
  4. Innovationsmanagement ist der nächste Baustein für den Erfolg der Marwaris. Sie waren allen technischen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen, die ihnen halfen, den Handel zu optimieren. Dazu gehört auch die schnelle und zuverlässige Übermittlung von Nachrichten. Brieftauben flogen die Botschaften von einem zum anderen. Signalspiegel und ein entsprechender Übermittlungscode wurden benutzt und kurz nach ihrer Markteinführung bereits Telegrafen. Als erste über wichtige Informationen zu verfügen, ist ein Marktvorteil. Das erkannten die Händler schnell.
  5. Damit verwandt ist der fünfte Schlüssel zum Milliardenerfolg der Marwaris: Die Möglichkeiten nützen, die sich bieten und Ausschau nach neuen Möglichkeiten zu halten und sofort in die zu investieren. „Making lemonade out of lemons!“ Nütze die Gelegenheit. So liehen die Marwaris den Moghulkaisern genauso Geld wie den Maharajas, sie verbündeten sich mit den Engländern, um mit ihnen im Geschäft zu sein und sie sind heute Partner in vielen erfolgreichen Joint ventures. Denn sie haben etwas, was ausländische Firmen dingend brauchen, wenn sie in Indien Fuß fassen möchten: Wissen, Fähigkeiten, die nötige Infrastruktur inklusive Kapital und vor allem verlässliche Netzwerke.

           Hier gilt: Einfach nachmachen und der Erfolg ist Ihnen sicher!


Wie Ihre Mitarbeitenden und KollegInnen leben möchten: Wohnträume in Indien

Samstags gibt es in den indischen Zeitungen den Immobilienteil: Mohali, Chandigarh, Mysore, Guwahati, Vellore, Kochi, Bhopal, Coimbatore und weitere Städte sind gefragte Orte. Bauplätze sind dort eher rar. Vielmehr finden sich Anzeigen großer Baugesellschaften, die ganze Siedlungen aus dem Boden stampfen und die Appartements zum Verkauf anbieten. Für die Besserverdienenden gibt es Reihenhäuser oder freistehende Häuser, die mit dem schönen Titel „Villa“ angepriesen werden.

2-4 Zimmer, Küche, Bad werden am häufigsten annonciert. Abzuzahlen im Normalfall über Kredit. Finanzierungsmodelle über die Baugesellschaft und die mit ihr kooperierende Bank. Vielleicht ist das Appartement aber auch die Mitgift der Frau oder cash mit dem Schwarzgeld der Eltern oder Schwiegereltern bezahlt.

Das stellt die Werbung heraus: 24 Stunden Strom mit Backup-Garantie, fließend warmes und kaltes Wasser und Security. Schwimmbad, Fitnesscenter, Tennisplatz, Spielplätze für die Kinder, Clubhaus, der Platz zum Joggen oder Radfahren sind Gemeinschaftseigentum. Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf gleich integriert in die Wohnanlage oder nicht weit davon entfernt in der nächsten Mall, die für viele Inder der Inbegriff von Freizeitvergnügen ist (Fast-Food-Restaurants, Kino, Shopping, Kinderbetreuung…).

Das Interieur und Wohnaccessoires

So sieht der Wohntraum der oberen Mittelschicht aus: alle Zimmer mit Klimaanlage, im Wohnzimmer ein großer Flachbildschirm mit Home-Entertainment-System, Couch mit vielen Kissen und eine Einbauküche der internationalen Labels mit Gasherd, bisweilen Induktion, in jedem Fall aber mit sehr großem Kühl- und Gefrierschrank und der schnellen Möglichkeit, Eiswürfel für die gekühlten Drinks zu produzieren. Und natürlich: Mikrowelle. Fertigproduke – allen voran Maggi – haben in diesen Haushalten Einzug gehalten.

Der Trend heißt: weg von der Großfamilie hin zur Kernfamilie. Für uns klingt das selbstverständlich. Denn wer hat schon Lust, mit Eltern bzw. Schwiegereltern, Brüdern bzw. Schwägern und deren Familie unter einem Dach zu wohnen, miteinander zu kochen und zu essen? Das ist für viele von uns nur das Pflichtprogramm an Weihnachten und hier knistert es bei manchen gewaltig. Für Indien ist die Entwicklung zur Kleinfamilie neu. Viele junge Leute sind Pioniere, die dieses Lebensmodell ausprobieren. Von Zuhause aus ist ihnen diese Form des Familienlebens und Wohnens unbekannt.

Wohnraum entsteht dort, wo Menschen arbeiten. Je mehr sich Industrie und Dienstleistungsunternehmen in kleineren Städten ansiedeln, desto mehr Nachfrage besteht nach bezahlbarem Wohnraum. Sind die Jobs sicher, entschließen sich die Leute, Wohnungen zu kaufen und sie selbst zu nutzen oder sie als Kapitalanlage zu vermieten.

IMG_0161 SONY DSC               Auch eine Wirklichkeit:  IMG_0137

Ein guter Platz für Wohnträume: PUNE!

Eine der boomenden Destinationen ist Pune. Für indische Verhältnisse nahe an der überfüllten und fast unbezahlbaren Finanzmetropole Mumbai. Pune ist attraktiv, die Infrastruktur besser als anderswo, die Ansiedelung von Unternehmen – auch internationaler Firmen, darunter vieler aus Deutschland – politisch gewünscht und relativ leicht.

Die einst gemächlich ruhige und grüne Kleinstadt wächst. Die Zeit, in der man vom Stadtrand bis ins Zentrum nur 30 Minuten brauchte, ist vorbei. Einst durch den Max Mueller-Bhavan – „der“ ersten Adresse in Indien, um Deutsch zu lernen – und den Ashram von Osho bekannt, verbindet man heute mit Pune IT, Automobil und riesige Fertigungshallen. Auch schon für 3-D-Druck.

Die Menschen, die in Pune arbeiten, brauchen Wohnraum. Entsprechend viel wird gebaut. Hochhäuser und Wohnanlagen entstehen. Besonders beliebt sind Kharadi und Wagholi im Stadtosten und Pimple Nilak, Pimple Saudagar sowie Wakad im Westen der Stadt. Warum? Aufgrund der guten Verbindung in die Stadt, der Einkaufsmöglichkeiten, der Schulen, der ausgezeichneten Ärzte und Krankenhäuser.

Noch sind die Preise moderat: Baugesellschaften wie Maple, die Jalan Group, Vastushodt und die Javdekar Group bieten 1-2 Zimmer-Wohnungen von 10 bis 22 lakhs in der Grundausstattung an. Das sind umgerechnet 125.000 bis 275.000 €.

Moshi in Pimpri-Chinchwad, Pirangut an der Lavasa Road und Kirkitwadi an der Sinhagad Road gelten ebenso wie Nanded City als Tipps für Investoren, obwohl sie relativ weit vom Zentrum entfernt sind.

Weil viele deutsche Expats in Pune leben und manche Führungskraft wissen möchte, wie viel die Angestellten investieren müssen, wenn sie eine Wohnung kaufen wollen, hier eine Hausnummer: Der Durchschnittspreis für eine 2-Zimmer Neubauwohnung in einer der gerade entstandenen oder derzeit entstehenden Wohnanlagen bzw. Hochhäuser ist mit 18 lakhs für Pune angegeben. Das sind 225.000 €.

Umrechnungskurs: 1 € = 80 Rupien.