Business Culture Indien

Interkulturelle Kompetenz ist der Schlüssel zu internationaler Unternehmensfitness


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Softdrinks in Indien

Zisch! Jetzt eine Cola mit viel Eis. Das tut gut und bringt den schlappen Kreislauf wieder in Schwung. Besonders an heißen Sommertagen.

„Denkste!“ Ruft man in Indien. „Zu viel Zucker, zu viele Kalorien. Das Zeug macht dick und ist ungesund. Wer will denn so was?“

Das Bewusstsein ändert sich rapide im Land mit der höchsten Zahl an Diabetikern weltweit.

Deshalb heißt es:

„Colas are not fashionable anymore!“

Coca Cola und PepsiCo verlieren in Indien in den letzten drei Jahren kontinuierlich Marktanteile. Die beiden Konzerne hatten es ohnehin nie leicht in Indien. Nachdem sie endlich mit erheblichem Einsatz und allen Tricks aus der Kiste der Marketingtools Fuß fassen konnten und den Markt unter sich aufgeteilt hatten, kehren ihnen die Verbraucher den Rücken zu. Diese haben nämlich keine Lust mehr auf Dickmacher.

Softdrinks auf Fruchtsaft- oder Milchbasis sind voll angesagt.

Wie kommt das?

  1. Das Bewusstsein, gesund zu essen und zu trinken, nimmt zu. Vorbei die Zeit, in der eine Tüte Chips und eine Cola zum Inbegriff dessen gehörte, was sich die Mittelschicht gerne als Snack gönnt. Zunehmend adipöse Kinder und Diabetes sind das Ergebnis.  Angesichts dieser Fakten fordert Arvind Subramanian, Chefberater der indischen Regierung in Sachen Wirtschaft, eine drastische Maßnahme: eine „sin tax“ mit 40%, um die Ursachen dieser Zivilisationskrankheiten zu bekämpfen.
  2. Dazu kommt, dass die Auswahl an Softdrinks heute viel größer ist und die Fangemeinde von kohlensäurehaltigen Getränken nicht ganz so groß ist wie in anderen Ländern.
  3. Überdies fällt ein dritter Faktor ins Gewicht: die Gruppe, in der Coca Cola und Pepsi noch wachsen könnten, die untere Mittelschicht, ist sehr preissensitiv. Für sie sind Sprudelgetränke, die seit 2015 mit einer extra Steuer von 3,5% belegt werden, nach wie vor ein Luxus, den man sich nur ab und zu leistet. Cola ist für sie wie Schokolade oder Kekse: Genuss pur, wenn man sie sich manchmal gönnt. Aber eben nicht notwendig fürs tägliche Überleben.
  4. Außerdem ist „homemade“ in Indien ziemlich angesagt. Lokale Getränkehersteller treffen den Geschmack der Verbraucher besser und haben kürzere Entscheidungswege als das in den Großkonzernen der Fall ist. Auch das spielt eine Rolle in einem Markt, wo jeden Sommer ungefähr 600 neue Getränke auf den Markt gebracht werden, wovon allerdings 90% die nächste Saison nicht erleben.

Was tun Coca Cola und Pepsi?

Zugegeben, geklagt wird auf hohem Niveau. Denn beide zusammen dominieren den Markt noch mit 55,7% (Euromonitor 2016). Das ärgerliche ist jedoch, dass sie in einem jährlich um knapp 10% wachsenden Markt auf der Verliererseite stehen.

Deshalb ergreifen sie zwei Maßnahmen.

Nummer 1: Das Cola weniger süß machen. Andere Süßmittel nutzen. Dabei geht aber der ursprüngliche Geschmack verloren, was auch wiederum dicht allen schmecken wird.

Nummer 2: groß mitspielen in der Liga der gesunden Getränke!

Gerade der zweite Punkt ist vielversprechend: Coca Cola brachte unlängst drei neue Getränke auf den Markt: Aquarius, ein kohlensäurehaltiges Getränk mit wenig Kalorien, Vio auf Milchbasis und Zico mit Kokoswasser. Maaza, ein Mangoschorle, zum Coca Cola-Konzern gehörend, boomt mit einem Marktanteil von 29,7%, während Pepsis Fruchtsaftmarke Tropicana zwar erfolgreich ist, aber gegenüber den einheimischen Akteuren noch Potenzial nach oben hat. Gute Aussichten, denn der Fruchtsaftmarkt in Indien ist im letzten Jahr (2016) um stattliche 16% gewachsen.

„Future is golden“ und das liegt vor allen an der Mango

Doch auch kohlensäurehaltige Getränke auf Fruchtsaftbasis haben ihren Markt. Hier mischen zunehmend lokale Marken auf: Parle Agro launchte Appy Fizz als neue Marke und produziert sehr erfolgreich Frooti Fizz, eine Sprudelvariante des Erfolgsprodukts Frooti mit mindestens 11% Mango-Fruchtfleich. Mango-goldgelb ist, so könnten wir sagen, das neue schwarz. Um mit den Farben der Softdrinks etwas zu spielen.

Das Fazit: Der Kunde ist König

Der Verbraucher experimentierfreudiger und gesundheitsbewusster. Zuckerhaltige Dickmacher sind „no longer the first choice“! Der Markt an Softgetränken in Indien wird vielfältiger und gesünder, kalorienreduzierter und fruchtiger. Säfte, Nektar, Schorle liegen voll im Trend. Milch mit Hafer oder auch Kokoswasser gemischt mit Früchten sind most fashionable.

Enjoy a healthy future. Seien Sie ruhig hipp, indem Sie die die trendigen Softdrinks bei Konferenzen und Geschäftsverhandlungen servieren. Cheers! Prosit! Zum Wohlsein!


Ein Kommentar

Erfolg durch Marktanpassung: Daikin Airconditioners

40 Grad plus. Buh, schwitz und trief! Glücklich, wer eine gut funktionierende Klimaanlage hat.

Im Büro ein must have. Privat noch immer der Traum von vielen: Eine Klimaanlage. Bibbern im Konferenzraum mit „chilligen“ 19 Grad, Schlafen bei angenehm kühlen Temperaturen, die AC im Auto bei vollem Gebläse auf max. 20 Grad, um dann nach dem Aussteigen gegen die Hitzewand anzukämpfen und mit beschlagenen Brillengläsern nach Orientierung zu suchen. Das ist das sommerliche Vergnügen in Indien.

Klimaanlagen sind in Indien „most wanted“. Das jährliche Wachstumspotenzial liegt bei mindestens 10%. Der Gewinn in der Branche: Minimum 16,500 crore (= 2,26 Mrd €). Da wollen viele ein Stück vom Kuchen haben: Voltas, LG, Samsung, Panasonic zum Beispiel und die japanische Premiummarke Daikin.

Anregungen zum Nachmachen

Doch der Weg, um im indischen Markt mit einem hochpreisigen Produkt Fuß zu fassen, war für Daikin äußerst steinig. Hier ein paar Meilensteine zum Erfolg:

Daikin produziert in Neemrana, 120 km von Delhi entfernt, täglich mehr 1.000 ACs, hauptsächlich für den Gebrauch zu Hause. 500.000 ACs verschiedener Typen können in der indischen Produktionsstätte pro Jahr gefertigt werden. Alle Komponenten werden in Indien gefertigt. Made in India funktioniert! Nur der Kompressor und die Kontrolleinheit werden aus Japan importiert.

Im Jahr 2000, als Daikin den Markteintritt in Indien realisierte, wurden alle Geräte als Fertigprodukte aus Japan eingeführt. Damals konnten und wollten sich nur wenige Superreiche die Luxusmarke leisten. Die Mehrheit sah nicht ein, warum man für kalte Luft so viel mehr zahlen soll, wenn es auch billiger geht.

Bald schon erkannte das Management, dass Indien sehr preissensibel ist.

„Gute Qualität bei niedrigerem Preis“, hieß fortan das Mantra bei Daikin.

Zugleich führte man ein breites Sortiment als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Anbietern ein: ACs und Kühlgeräte mit 0,75 t bis zu 2.700 t Leistung für den privaten und gewerblichen Bedarf. Dann folgte die Entscheidung, in Indien mit der Herstellung zu beginnen und immer mehr Komponenten von indischen Lieferanten zu beziehen. So konnte gewährleistet werden, dass der Preis niedrig bleibt, ohne Abstriche vom technischen Know how, das in den Geräten steckt, zu machen.

Ein weiterer Meilenstein zum Erfolg war die Entscheidung, in die Fläche zu gehen und dezentral sowohl Shops als auch Servicestellen aufzubauen. Die Zahl der Händler wuchs dadurch von ursprünglich 350 auf 1800. Zugleich investierte Daikin durch gezielte Werbung bei potenziellen Käufern in die Steigerung des Bekanntheitsgrades. Eine Umfrage zeigte nämlich, dass nur knapp mehr als 50% der Zielgruppe überhaupt von Daikin gehört hatte geschweige denn die Produktpalette kannte.

Innovation als Schlüssel zum Erfolg

Die konsequente Investition in die Herstellung energieeffizienter Geräte machte sich bezahlt. Für kleine Geräte mit hoher Leistung und wenig Verbrauch waren viele Käufer bereit, einen Preis zu zahlen, der 15% über dem der Mitbewerber liegt. Außerdem trägt zum Erfolg bei, dass Daikin in seinen Shops und Servicestellen mit Fachpersonal arbeitet, das für die verschiedenen Produkttypen speziell ausgebildet wurde. Das Tüpfchen auf dem I ist schließlich ein überzeugender After-Sale-Service.

„Anrufe müssen innerhalb von 11 Sekunden angenommen werden“, steht im Handbuch für das Servicepersonal, das auf Lösungsorientierung und Kundenfreundlichkeit geschult ist.

Was sich so selbstverständlich und leicht liest, war ein langer Weg und ist schwer erkämpft. „Try and error“ stand auf dem Programm, ständige Nachbesserung und Anpassung an die Vorlieben der indischen Kundschaft, die Bereitschaft, Fehler genau zu analysieren und aus ihnen zu lernen. Ebenso die Zähigkeit und der Wille, mit Qualität und Service ganz an die Spitze zu kommen.

Strategie zahlt sich aus – der Weg zum Erfolg

2009/2010 – also fast 10 Jahre nach Markteintritt – startete die Umsetzung des 150 seitigen Strategieplans „Vision 2015“, der von der indischen Niederlassung zusammen mit dem Mutterkonzern in Japan erarbeitet wurde. 34.000 Klimageräte wurden in diesem Geschäftsjahr verkauft. Der 7. Platz unter allen auf dem indischen Markt tätigen AC-Produzenten. 2012/2013 konnte Darkin eine Steigerung um den Faktor 12 erreichen. Das heißt rund 400.000 Geräte, die meisten davon für den privaten Bedarf. Der Gewinn stieg von 440 cr (= 60 Millionen Euro) auf über 2.200 cr (= 300 Millionen Euro). Daikin ist hinter Marktführer Voltas der zweit größte Hersteller von Klimaanlagen in Indien.

Für 2015 war das Ziel ausgegeben, die Nummer 1 in Indien zu werden. Daikin hat dieses bereits Ende 2014 erreicht.

Daikin hat den Beweis angetreten, dass höchste Qualität auch im preissensiblen Indien funktioniert. Lernen Sie aus den Erfolgsrezepten des japanischen Premiumherstellers für Klimaanlagen. Eine Geschichte, die Mut macht.

(Umrechnungskurs 1 Euro = 73 Rupien).


Werbung in Indien 2

Werbung in Indien heißt: Klotzen und nicht kleckern!

Handgemalte Kinoreklame, Werbetafeln an den Geschäften, Posterreihen an Gartenmauern, ein buntes Durcheinander an Schildern. Faszinierend anzuschauen. Eyecatcher im wahrsten Sinne des Wortes. Vielfältigste Reize! Komm, hier gibt es das, was du suchst. Werbung ist überall präsent. Sichtbar im Basar, am Straßenrand.

Doch es geht noch besser: Werbung im Fernsehen beispielsweise. Immer dann, wenn es spannend wird, kommen die Werbeblocks. Seife, Waschmittel, Motorräder, Kochutensilien … und natürlich Handytarife. Maggi Instantnudeln waren ein Hit, solange bis der Skandal um die zu hohen Bleiwerte Nestlé aus den Kaufhausregalen verbannte.

Wer sich Fernsehwerbung leisten kann, der engagiert zumeist einen A-Promi als Markenbotschafter gleich mit. Bollywoods Filmstars verdienen sehr gut mit Werbung!

12 Min Werbung pro Stunde erlaubt das indische Fernsehen. Zu wenig, meint die Werbeindustrie, die versucht, die Produkte ins Bewusstsein der Konsumenten zu bringen und Begehrlichkeiten zu wecken. Außerdem schalten immer mehr Zuschauer gelangweilt während der Werbepausen um. Ein Großteil der Jugend schaut auch in Indien Filme lieber im Internet, wo es weniger Werbung gibt.

Entsprechend groß ist das Gejammer in der Werbebrache. Neue Wege müssen gefunden werden, um aufzufallen und Mann und Frau vom Nutzen eines Produkts zu überzeugen. Die Alternative ist schon gefunden: Productplacement in Shows und Filmen.

Besonders erfolgreich war ein Spionage-Thriller mit dem Namen „24“, von dem es genau 24 Episoden gab. Tata Motors war der Hauptsponsor. Entsprechend fuhren die Helden das SUV-Modell Tata Safari Storme. Als besonderen Werbegag produzierte Tata eine Limited Edition dieses Modells mit der Unterschrift des Hauptdarstellers Anil Kapoor. Die Nachfrage war riesig. Das Produktplacement weckte Begehrlichkeiten und spiegelte sich in den guten Verkaufszahlen. Für Tata Motors eine gelungene Sache. Das neue Modell wurde erfolgreich mit dem Image eines Helden gelauncht.

Natürlich muss der Inhalt des Films mit dem Produkt zusammenpassen. Für einen Film, der im ländlichen Indien spielt, wäre ich sehr happy, wenn wir eine Traktorfirma finden würde, die uns sponert. Da hätte ich gar kein Problem, das Produkt zu zeigen und ihm eine noch größere Rolle im Drehbuch zukommen zu lassen“, sagt Abhinay Deo von Ramesh Deo Productions, die die Erfolgsserie „24“ produzierten. „Aber es muss passen. Für uns, die wir verantwortlich sind für das Drehbuch und für die Firma, die ihr Produkt in den Film bringen möchte.“

Die Lösung: A fine balance

Damit ist in der Tat die Herausforderung benannt: Die Marke darf nicht aufdringlich in den Vordergrund treten und den Inhalt dominieren. Es geht um den dezenten und zugleich überzeugenden Auftritt. Nur so werden alle glücklich: die Marke, der Sender und der Konsument.

 

Mehr zum Thema unter: https://businesscultureindien.com/2016/01/31/werbung-in-indien-teil-1/


Eisgenuss für Schleckermäuler: Nachfrage nach Eiscreme wächst enorm in Indien

Bis vor kurzem warnte die Reiseliteratur für Indien vor dem Genuss von Speiseeis. „Finger weg, sonst werden Sie es bitter bereuen!“ Salmonellen- und bakterienverseucht sei das Eis. Ein verdorbener Magen noch das geringste Übel.

Also ließen wir uns auf unseren Geschäftsreisen nicht verführen. Wir wollten fit für unsere Verhandlungen bleiben.

Das hat sich geändert: Eiscreme-Parlors (= Eisdiele) sind in Indien in. Luxusmarken sind trendy. Mövenpick von Nestlé und Häagen-Dasz aus New York sind im Wettstreit mit indischen Speise-Eis-Produzenten. Kein Wunder, denn der Markt wächst jedes Jahr um knapp 20%. Punkten wollen alle mit ausgefallenen Sorten im hochpreisigen Gourmetbereich.

Probieren lohnt sich. Ich hab es getan und mein Eis schmeckte fantastisch!

Kreationen für den indischen Markt

Prabai’s Fresh & Naturelle Ice Creams aus Kalkutta beliefert ausschließlich Fünf-Sterne-Hotels und Restaurants der gehobenen Klasse. Die 2000 Liter Gourmeteis, die täglich produziert werden – zu Spitzenzeiten sind es 4000 Liter – finden reißenden Absatz. „Ohne künstliche Aromastoffe und ohne irgendwelchen Zusatz“ heißt das Motto von Fresh & Naturelle. „Unser Kakao, den wir verwenden, ist 100% Natur. Normalerweise wird er mit Laugen behandelt und verliert dabei seine Nährstoffe und die Effektivität, freie Radikale einzufangen. Nur 1% des auf dem Weltmarkt überhaupt erhältlichen Kakaos ist natürlich verarbeitet. Genau den wollen wir. Auch wenn es teuer ist. Aber es lohnt sich. Außerdem haben wir ausgefallene Sorten: Sandelholz, Japanischer Grüntee und süsses Paan“, sagt Kunal Pabrai.

Customizing ein absolutes Muss für Indien

„Die Nachfrage ist groß. Inder mögen es süß“, bemerkt Srinivas Kamath von Natural Ice Cream. „Wir wollen, dass unser Eis nicht nur gut schmeckt, sondern auch gesund ist. Deshalb verwenden wir beste Zutaten. Es gibt auch Nachfrage nach fettarmem Eis oder Eis, das weniger Zucker enthält. Wer das will, ist bei uns richtig. Wir haben aber auch Sorten, die es nur bei uns gibt. So machen wir Fruchteis mit dem Obst, was die Saison gerade bietet. Unser Sitapal-Eis zum Beispiel (Apfelsorte mit Vanillegeschmack) verkauft sich bestens. Wir kreieren anlassbezogen mit erlesenen Zutaten für die Festivitäten: Zum Gedenktag von Ganesha haben wir ein Eis mit Bananen, Kokos und Rosinen. Für ein anderes Fest machen wir eines mit Sesam und Erdnüssen. Dafür stehen die Leute dann Schlange.“

Die Verwendung bester und natürlicher Zutaten sowie die Kreation besonderer Sorten sind für das Luxussegment im indischen Eismarkt unverzichtbar. Da muss Nestlé mithalten: für die Saison 2014 gibt es exklusiv ein Sahneeis mit Masala Chai-Geschmack in die Eisdielen – bei Mövenpick heißen sie Boutique. Fruchtsorbets und Sorbet-Speiseeis-Kombinationen sind eine weitere Spezialität, die sich Nestlé für den indischen Markt einfallen ließ. Dazu werden einheimische Früchte der Saison verarbeitet.

Für die Eiscremehersteller in Indien ist es unverzichtbar, den indischen Geschmack ganz genau zu kennen und dafür etwas Außergewöhnliches zu erfinden. Auf Markenbekanntheit allein können sich Mövenpick und Häagen-Dasz nicht verlassen. Sie müssen sich der indischen Kundschaft anpassen und etwas Besonderes bieten.

Vom Glas Milch zum Eis – Weiterverarbeitung von Lebensmitteln im Trend

Doch der Aufwand lohnt: die letzten 5 Jahre ist der Markt für Speiseeis in Indien um jeweils knapp 20% gewachsen. 3.000 cr (= 3,74 Milliarden €) ist das Marktvolumen in der Saison 2013/2014. Im Durchschnitt isst jeder Inder heute 400 ml Eis pro Jahr. 1996 waren es nur 100 ml.

Dazu haben vor allem die veränderten Kosumgewohnheiten der mittleren und höheren Mittelschicht beigetragen. Sie kann es sich leisten, Geld für Eis auszugeben.

Zudem wächst die Zahl derer, die nicht das letzte Geld zusammenkratzen muss, um für die Kinder ein Glas Milch zu kaufen. Der Trend geht bei Lebensmitteln zu verarbeiteten Produkten. Die Produktpalette, die sich immer mehr Haushalte leisten können, erweitert sich: Von der Mango zum Mango-Softdrink, vom Glas Milch zum Eis, von Tomaten als Zutat bei indischen Gerichten zu Tomaten in Ketchup, Pasta, Pizza und Wraps.

Wo gibt es das Eis?

Vertrieben wird das Gourmeteis über die Fünf-Sterne-Hotels und die gehobene Gastronomie sowie über Eisdielen, die hauptsächlich als Franchise geführt werden.

Was kostet die Kugel?

Guter Geschmack kostet. Bei Fresh & Naturelle gibt es die Kugel für zwischen 39 und 79 Rupien (= 0,50 bis 1 €), Natural startet mit 40 Rupien (= 0,50). Mövenpick verlangt für eine Kugel 175 Rupien (= 2,20 €) und Häagen-Dasz nimmt 210 Rupien (= 2,60 €). Meist bleibt es nicht bei einer Kugel. Schließlich möchten die indischen Gourmets mehrere Sorten probieren.

Und die Zukunft?

Die Zukunft wird noch mehr Sorten bringen und die Nachfrage von low fett und less suggar bis hin zu rich dairy cream befriedigen. Hinzu kommt Greek style frozen yoghurt und Gelato. Indien – heute schon der größte Milchproduzent der Welt – wird in ein paar Jahren auch der größte Markt für Speiseeis sein.


Erfolgsregeln in der indischen Geschäftswelt

Über die Marwaris und die Geheimnisse ihres wirtschaftlichen Erfolgs

Birla, Piramal, Goenka, Mittal, Seth – um nur einige Familien zu nennen, die in der indischen Wirtschaft ganz oben sind, haben eines gemeinsam: Sie gehören zur Milliarden schweren Community der Marwaris.

Nahezu zwei Drittel der indischen Milliardäre, die Forbes jedes Jahr listet, gehören zu einer der großen Businessfamilien. Nicht wenige davon zu den Marwaris, deren Erfolg legendär ist.

Wer sind die Marwaris und was ist das Rezept ihres Erfolgs?

Die Marwaris kommen aus West-Rajasthan, aus der Gegend um Shekawati. Das liegt in der Nähe der traditionellen Handelsroute Jaipur – Delhi. In der Vergangenheit wie heute eine der wichtigsten Handelswege in Indien. Sie dominierten den Handel in ganz Nord-Indien und siedelten sich bald in der Ganges-Yamuna Region an. Von dort gingen sie bald bis nach Bengalen. Der Bazaarhandel lag über viele Generationen ganz in den Händen der etwa 300.000 Familien großen Businesscommunity der Marwaris.

Sie handelten mit Jute, Opium, Baumwolle, Textilien und spekulierten an den Börsen. Sie waren die Bankiers der Herrscher und verliehen Geld. Man sagt ihnen in Indien nach, dass sie den siebten Sinn für ein gutes Geschäft hätten. Wo sie investieren, geht es selten schief. Die Marwaris waren lange Zeit sozusagen die Warren Buffets Indiens. Ihre Businesserfahrung sprach sich schnell herum. Sie bestimmten durchaus risikofreudig, wo es wirtschaftlich lang geht, wie das Sprichwort sagt: „You don’t want to compete against a Marwari!“

Fünf Schlüssel des Erfolgs in der indischen Businesscommunity

  1. Auf das Wort eines Kaufmanns muss Verlass sein. Sein Wort gilt. So auch bei den Marwaris. Vertrauen ist die Grundlage für gute Geschäfte. Was ein Marwari verspricht, das hält er zuverlässig ein (sakh = Vertrauen). So war es über Jahrhunderte lang in Indien üblich, bargeldlos zu zahlen. Gehandelt wurde über sog. Hundi, eine Art Scheck, mit dem der Verkäufer in jeder x-beliebigen indischen Stadt die unterzeichnete Summe abholen konnte, ohne das Risiko des Bargeldtransfers auf den langen Handelswegen zu haben.
  2. Der zweite Schlüssel zum Geschäftserfolg ist die Präsenz, man könnte auch sagen, die visibility, im Markt. Das geht ganz einfach. Jeden Tag sitzt der Händler in seinem Geschäft auf einer Matratze (= gaddi), die mit einem weißen Tuch überzogen ist. Das ist heute noch in den indischen Bazaars zu sehen. Von morgens bis Abends ist er da. Er redet mit den Leuten, verhandelt Preise, ist ansprechbar. Neben sich den wichtigsten Angestellten, den Bookkeeper, der alle Geschäfte detailliert notiert. Der Eigentümer arbeitet. Auch wenn er es sich leisten könnte, sich auf seinem Reichtum auszuruhen, wird er das nicht tun. Denn: „The footprint of the owner is the best fertilizer!“ Er geht mit gutem Beispiel voran und motiviert dadurch seine Angestellten. Seine Arbeit ist die Messlatte. Entsprechend auch der Führungsstil: „Delegate but monitor!“
  3. Die Marwaris verliesen Rajasthan, um Handel zu treiben. Wo sie hinkamen, errichteten sie ein Hotel, d.h. einen Schlaf- und Essensplatz, an dem man sich treffen konnte, um sich auszutauschen. Der Begriff dafür ist Basa. Eine Infobörse vom Feinsten. Hier wird networking betrieben, hier werden die neuesten Geschichten von den Handelswegen erzählt, über Trends geredet, Empfehlungen oder auch Warnungen ausgetauscht. Man ist unter sich. Marwaris halten zusammen trotz Wettbewerb. Neulinge konnten erste Erfahrungen sammeln und sich der Unterstützung der Businesscommunity sicher sein. Man kennt sich und hilft sich. So werden die Marwaris stark. Ganz opportun ist es auch, dass Geld zu Geld heiratet. Die Tochter eines reichen Marwaris zu heiraten, ist eine ganz unanstößige strategische Businessplanung.
  4. Innovationsmanagement ist der nächste Baustein für den Erfolg der Marwaris. Sie waren allen technischen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen, die ihnen halfen, den Handel zu optimieren. Dazu gehört auch die schnelle und zuverlässige Übermittlung von Nachrichten. Brieftauben flogen die Botschaften von einem zum anderen. Signalspiegel und ein entsprechender Übermittlungscode wurden benutzt und kurz nach ihrer Markteinführung bereits Telegrafen. Als erste über wichtige Informationen zu verfügen, ist ein Marktvorteil. Das erkannten die Händler schnell.
  5. Damit verwandt ist der fünfte Schlüssel zum Milliardenerfolg der Marwaris: Die Möglichkeiten nützen, die sich bieten und Ausschau nach neuen Möglichkeiten zu halten und sofort in die zu investieren. „Making lemonade out of lemons!“ Nütze die Gelegenheit. So liehen die Marwaris den Moghulkaisern genauso Geld wie den Maharajas, sie verbündeten sich mit den Engländern, um mit ihnen im Geschäft zu sein und sie sind heute Partner in vielen erfolgreichen Joint ventures. Denn sie haben etwas, was ausländische Firmen dingend brauchen, wenn sie in Indien Fuß fassen möchten: Wissen, Fähigkeiten, die nötige Infrastruktur inklusive Kapital und vor allem verlässliche Netzwerke.

           Hier gilt: Einfach nachmachen und der Erfolg ist Ihnen sicher!


Verhandeln mit Indern – taktische Tricks

Basarmentalität, Feilschen, immer für Überraschungen gut und in letzter Sekunde noch ein Ass aus dem Ärmel ziehen – das können Inder besonders gut. So haben schon viele Unternehmen ihre indischen Verhandlungspartner erlebt. Nicht selten eine frustrierende Erfahrung.

Hilfreich ist es, die indische Verhandlungsstrategie zu studieren, um sich optimal darauf einzustellen und keinen Reinfall zu erleben. Indien blickt auf eine lange Geschichte des internationalen Handels zurück. Gewürze, Seide, Tee, Edelsteine …  sind nur einige Stichworte. Eingeübt in vielen hundert Jahren, verfeinert und auf die Gegebenheiten des globalen Marktes angepasst.

Aus indischer Sicht zielt jegliche Verhandlung auf eine langfristige Geschäftsbeziehung, die beiden Seiten den Erfolg bringt.

„Negotiation is your opportunity to demonstrate your commitment to a long-term relationship by maximizing value for both sides“, so heißt das kleine Einmal-Eins der indischen Businessethik.

Damit haben Sie ein Kriterium an der Hand, um die Seriosität Ihres Geschäftspartners zu überprüfen: Geht es ihm wirklich um langfristigen beidseitigen Erfolg? Gibt es keine guten Gründe für diese Annahme, dann besser „Finger weg“ von diesem Geschäft.

„Failing to prepare is preparing to fail!“

Vorbereitung ist alles, heißt das indische Erfolgsmantra! Deshalb dauern Verhandlungen so lange und erfordern Geduld. Die indische Taktik ist also im Grunde ganz einfach: Hausaufgaben machen und mehrere Strategien für den Gesprächsverlauf im Vorfeld ausarbeiten.

Inder recherchieren im Hintergrund sorgfältig, ziehen Erkundigungen ein, befragen Netzwerke und bereiten mehrere Verhandlungsszenarien vor, auf die sie dann zurückgreifen. Sie studieren die bisherige Verhandlungstaktik ihrer Geschäftspartner und entwickeln ein Gefühl für die Psychologie der Verhandlungsführer: Wie ticken sie? Wie stressresistent ist das Gegenüber? Wo sind die Schwachpunkte? Gibt es geplatzte Deals in der Vergangenheit und wenn ja warum? Was würde dem Unternehmen fehlen, wenn diese Geschäftsbeziehung nicht klappt? Und, und, und …

Inder sind kritisch und sensibel. Haben Sie Inder schon einmal beobachtet, wenn Sie am Markt Gemüse oder Obst kaufen? Da wird jedes Stück in die Hand genommen, von allen Seiten betrachtet, zurückgelegt, wenn es nicht überzeugt. Es wird nicht akzeptiert, wenn der Händler ein Stück ungesehen in die Waage legt. Sofort raus damit, könnte einem ja etwas Schlechtes untergejubelt werden.

100% Aufmerksamkeit und 100% Wachsamkeit, um nicht übers Ohr gehauen zu werden. Ist schließlich mein Geld. Dafür soll es nur das Beste geben.

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So ist es auch im Big Business von Corporate India: Alles wird präzise erforscht.

Das Gegenüber wird vor und während der Verhandlung – ohne dass er es wirklich bemerkt – durchleuchtet. Bis in den letzten Winkel hinein wird alles untersucht. Aufwändig, gewiss. Aber für eine langfristig gute Geschäftsbeziehung, finden Inder, ist diese Mühe sehr ok.

Nun wissen Sie, wie Inder verhandeln und warum sie – aus westlicher Perspektive – unsere Geduld so arg strapazieren. Doch das Sammeln von Informationen rentiert sich. Wer viel weiß, ist im Vorteil.

Bitte: unterschätzen Sie Inder in diesem Punkt niemals. Sie machen ihre Hausaufgaben und sind bestens vorbereitet, wenn sie ernsthaft an einem Geschäft interessiert sind. Was hindert Sie daran, es ab sofort den Indern gleich zu tun?


Ein Kommentar

Fair and beautiful: Das Geschäft mit der hellen Haut

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste hier im Land?

In Indien lässt die Antwort nicht lange auf sich warten: Eine, die helle Haut hat. Hellhäutig ist absolut trendy. In fast jeder Hochzeitsannonce steht, dass die Braut „fair“ sein soll. Wer das von Natur aus nicht ist, hilft nach. Bleichcremes für die Massen oder eine Schönheits-OP mit den vielversprechenden Namen „The Vampire Facial“ oder „Diamond Dermabrasion“ für Leute mit einem dickeren Geldbeutel.

images Nach nur wenigen Tagen wird man schön: fair and lovely. 

Der Markt für schöne helle Haut liegt in Indien bei 1,2 Milliarden US-Dollar (2013), die Hälfte davon wird mit Bleichcremes eingenommen. Tendenz: Stark steigend. Für 2016 heißt die Prognose bei Bleichcremes: Die 1 Milliarde US-Dollar-Marke wird geknackt. Frauen wie Männer benutzen Bleichmittel, um ihren Teint aufzuhellen. Denn nur hell ist schön.

Und der letzte Schrei: Bleichcremes für den Intimbereich. Sie sollen die sexuelle Attraktivität der Partner steigern und eingeschlafenen Beziehungen zu mehr Glück verhelfen.

 

images Yami Gautam, Werbe-Ikone für fair and lovely-Bleichcreme

Fairness Jokes

Bollywood-Schönheiten sind die klassischen Werbe-Ikonen für helle Haut. Schauspielerin Yami Gautam zum Beispiel, dem indischen TV-Publikum aus Telenovelas bekannt, wirbt für „Fair and lovely“, den Marktführer bei Bleichcremes. Hergestellt von Hindustan Unilever. Auf Twitter gibt es eine ganze Reihe von Posts, die Kultstatus erreicht haben.

Ein paar zur Auswahl: „Yami Gautam fährt in der Nacht ohne Scheinwerfer. Denn ihre strahlend helle Haut genügt.“ „Edison hat die Glühbirne erfunden. Wir brauchen die nicht. Denn wir haben Yami Gautam.“ Und wem das noch nicht reicht, der erfährt: „Jeder Mensch hat zwei Sorten von Zellen. Die roten Blutzellen und die weißen Yami Gautam-Zellen.“

Helle Haut ist angesagt. Nicht nur bei den Stars und Sternchen. Sondern bei Jederfrau und Jedermann. Entsprechend groß war der Aufschrei, als die indisch-stämmige Nina Davulun 2013 zur „Miss Amerika“ gewählt wurde. Das kann doch nicht sein. Wie hässlich! „Bei uns hätte die keine Chance. Viel zu dunkel“, rief Indien empört.

Hartnäckig hält sich in Indien die Überzeugung, dass dunkelhäutige Menschen unfähig für romantische Gefühle sind. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass Schauspielerinnen hell geschminkt werden, wenn sie eine Frau aus besseren Kreisen darstellen sollen. Nandita Das sagte in einem Interview ganz offen, dass ihr eher dunkler Teint naturell bleiben kann, wenn sie eine Frau aus einem Slum zu spielen hat. Aufgehellt wird sie hingegen um ein Vielfaches, wenn sie eine Frau aus der Oberschicht darstellen soll.

Inzwischen grassiert eine richtige Obsession: Alle wollen so hell wie möglich sein. Braut und Bräutigam nützen alle möglichen Enhancement-Strategien, um sich aufzuhübschen, Job-Bewerber helfen mit Bleichcremes nach, um einen besseren Eindruck zu hinterlassen, an Colleges und Universitäten ist der Einsatz von Bleichmitteln ein muss.

Der Blick in die dunklen Tiefen der Seele

Für Psychologen versteckt sich hinter diesem gesellschaftlichen Zwang die tiefsitzende Überzeugung, dass heller mit besser und höherwertig gleichgesetzt wird.

Indien war über viele Jahrhunderte von hellhäutigen Herrschern besetzt, erst die Mogulkaiser, dann die Engländer. Diese Erfahrung prägt: Die herrschende Elite ist hellhäutig. Daran orientiert man sich, da will man hin. Die haben das, was man selbst nicht hat: helle Haut. Heute sind es die Bollywood-Schönheiten, die hellhäutig sind und verehrt werden. Aishwariya Rai, Katarina Kaif, John Abraham, Shahid Kapoor und natürlich Shah Rukh Khan – alle sind „fair and beautiful“.

 

images   Nandidta Das, indische Schauspielerin

Doch jetzt regt sich Protest. „Dark is beautiful“ heißt die Gegenbewegung, deren Aushängeschild Schauspielerin Nandita Das ist. „Ist es nicht diskriminierend, was wir hier betreiben? Wir empfinden unser natürliches Aussehen als hässlich und wollen partout um jeden Preis hell sein. Das ist krank im Kopf. Es ist doch egal, welche Hautfarbe jemand hat. Was macht das für einen Unterschied?“

Ärzte haben sich dieser Kampagne angeschlossen und betonen, dass eine gesunde Haut schön ist und nicht eine künstlich aufgehellte. Ob sie sich durchsetzen?

Weiß wie Vampire

Derzeit machen jedenfalls ihre Kollegen den großen Reibach, die den Teint ihrer Kunden aufhellen. „The Vampire Facial“, von allen gängigen OP-Techniken angeblich die, die am wenigsten Schmerzen verursacht, kostet etwa 3.000 -15.000 Rupien pro Sitzung. Etwa sechs Anwendungen sind nötig. Das sind mindestens 250 Euro. Wer Pech hat, das heißt von Natur aus dunkler ist, muss 1000 Euro Minimum investieren, um dem indischen Schönheitsideal zu entsprechen.

Spätestens jetzt wissen Businessfrauen aus dem Westen, warum ihnen immer wieder das Kompliment gemacht wird, wie toll sie aussehen. Strahlend hell, einfach schön! Wer sich in die Sonne legt und braun werden möchte, ist nach indischem Maßstab, schlicht und ergreifend verrückt.